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Ronda | Die Stadt über der Tajo-Schlucht

Antequera. Nach dem Frühstück im angeschlossenem Café ziehen wir schweren Herzens wieder einmal unsere Motorradklamotten an. Es sind zwar keinerlei Membranen mehr drin, aber uns wird trotzdem ganz schön heiß in den Klamotten. Bei schon wieder 26°C um 10:00 Uhr. Der Juni ist zugegebenermaßen nur ein suboptimaler Monat für eine Andalusientour. Aber wir konnten aus verschiedenen Gründen nicht eher los.

Auf dem Weg von Antequera nach Ronda

Aber bald fahren wir wieder, da kühlt der Fahrtwind zumindest etwas. Zuerst fummeln wir uns noch einmal durch Antequera, die mit einer kompakten Altstadt beeindruckt. Wir fahren bis zum Castillo, von dem aus sich ein wundervoller Blick auf die Altstadt und im Hintergrund auf den "Felsen der Verliebten" bietet.

Bis Ronda sind es nur 130 Kilometer, das ist ein lockerer Ritt heute! Die Straße präsentiert sich wie immer als perfektes, kurviges Asphaltband. Sie führt durch eindrucksvolle Landschaft, noch einmal vorbei an dem Felsgebiet „El Torcal“. Die Hänge sind gesäumt von Ginsterbüschen, die die Landschaft mit gelben Farbtupfern sprenkeln und außerdem einen angenehmen Duft verbreiten. Auf manchen Hügeln bringen die ordentlichen Reihen von Olivenbäumen eine gewisse Strenge in das Landschaftsbild.

Auf dem Weg von Antequera nach Ronda

Als wir nach Alora auf die A4048 einbiegen, nimmt die Straße zum ersten Mal rumänische Züge an. Die Straße ist tausendmal geflickt und der Asphalt wellig, bucklig und löchrig. Jochen stellt das Fahrwerk weicher. Vor uns dübelt seit kurzem ein Kleinwagen nicht gerade vorsichtig über diese Buckelpiste. Der kennt sich entweder aus oder hat auch ein Navi. Als wir den langsam fahrenden Kleinwagen überholen, können wir nicht ahnen, auf was wir zurollen. Dass sich direkt vor uns eine tiefe Bodenwelle auftut, sehen wir bei diesen schattenarmen Lichtverhältnissen nicht.

Whom!
Als der Schlag die sitzbank erreicht...

Jochen kann noch im letzten Moment agieren und steht auf den Rasten. Mir bleibt jedoch nur zu „re-agieren“: Whom!!! Als der Schlag die Sitzbank erreicht, katapultiert es mich aus dem Sitz und ich stehe ebenfalls auf den Rasten! „Alles in Ordnung da hinten?“ „Ja, alles im grünen Bereich. Nur den Stecker hat's aus der Gegensprechanlage gezogen.“

Nicht nur Lügen haben kurze Beine!

Kurze Zeit später gebietet „Steffi“: „Links abbiegen!“ Nach einigen hundert Metern wird klar, warum sich „Steffi“ weigerte, diese Strecke zu routen, solange die Option „ungeteerte Straßen vermeiden“ ausgewählt ist.

Offroad vom Feinsten! Oder sollte es heißen "vom Gröbsten"? Wie lange wohl? Wir sind mitten in der Pampa, kilometerweit ist kein Haus oder eine Menschenseele auszumachen. Die Strecke ist gut zu fahren, selbst mit Gepäck und Sozia. Wenn man von einigen felsigen Stellen und etwas eigen zu fahrende Kurven absieht. Über die Fahrbarkeit sind sich Fahrer und Sozia meistens nicht so einig... Aber es ist alles mit etwas Übung machbar. Trotzdem wird es der lieben Elke (also mir) vor allem an den haarigen Stellen wie immer noch ein bisschen wärmer als es ohnehin schon ist - ich kann nicht sagen, dass ich die Offroadfahrerei liebe. Den Wiedereintrittspunkt auf Teer würde ich immer gern feiern und danke dem Gott des Offroad, dass die Karre nicht im Dreck landete! Als wir wieder auf Asphaltbelag treffen, entpuppt sich diese als eine geniale Bergstrecke. Frisch geteert oder zumindest perfekt in Schuss gehalten. Die Strecke zieht sich durch ein dicht bewaldetes Gebiet. Noch ist keine Stadt in Sicht. Aber Ronda kann nicht mehr weit sein.

Rural El Cortijo Ronda

Wir sind auf der Suche nach einem Hotel, das a) unser Urlaubsbudget nicht sprengt, aber auch einen sicheren Platz für die BIGTURTLE bietet. Und wenn b) jetzt auch noch ein Pool dabei wäre und sich das Ganze in Laufweite zur Altstadt befände ... Ja, nee - is' klar, wir träumen schon wieder. Also nehmen wir ein Zimmer im „Casa Rural El Cortija“, einem Campingplatz, etwa vier Kilometer außerhalb von Ronda. Auf der Rückseite des Hauptgebäudes hat der Inhaber heimelige Zimmer mit Klimaanlage und eigener Terrasse eingerichtet.

Unser erster Eindruck: Ganz schön lebhaft hier! Um uns herum befindet sich einfallsreich angelegtes, liebevoll dekoriertes Gelände mit vielen mediterranen Pflanzen. Ein angeschlossener kleiner Campingplatz ist zwar mäßig belegt, aber am Pool ist die Hölle los! Viele Kinder und junge Erwachsene toben lautstark über die Fliesen und alle Liegen sind belegt oder mit einem Handtuch reserviert. Uns ist das egal, denn wir sind eh' nicht die Sonnenbader und Poolliegenbeleger.

Ronda und die Tajo-Brücke

Es ist 15:00 Uhr. Jochen gönnt sich eine Siesta. Ich setze mich auf unsere Terrasse und beobachte die Szenerie. Irgendwie nervt der vielstimmige Trubel am Pool und den Nachbarzimmern. In den zwei Nachbarappartements sind in der letzten Stunde mindestens zwanzig verschiedene Leute rein und raus, also ganz bestimmt mehr, als da schlafen könnten! Manche mit relativ großen Rucksäcken oder Taschen. Was machen die da bloß?

Ronda

Wenn die bleiben, könnte unser Aufenthalt etwas geräuschintensiv werden! So eine Horde Spanier sind nicht gerade mit dem Prädikat „leise“ auszuzeichnen. Gegen 17:00 Uhr findet das Rein und Raus der Spanier im Nachbarappartement seinen Höhenpunkt - vermutlich haben sie dort alle nur bis zur Abreise ihr Gepäck abgeladen. Heute ist Sonntag und wahrscheinlich sind die Spanier als Tages- oder Wochenendgäste in der Anlage. Nachdem die Horde mit zwei großen Bussen von dannen gezogen ist, wird es ruhig. Himmlisch ruhig. Perfekt, so sind wir es gewöhnt: Nix los in Spanien!

Brücken mit Gefängniszelle
Stierkampf und öltriefende Bocadillos

Leider haben wir das bewährte Spiralschloss zu Hause vergessen, mit dem wir unsere Helme und die Jacken wie an einer Perlenkette auffädeln und am Motorrad anschließen können. Gegen Abend fahren wir noch einmal in die Stadt. Unser Begehr wär' so ein Schloss. Unser Thermometer zeigt immer noch über 30°C und wir lassen die Motorradklamotten im Zimmer. Nur auf Helm und Stiefel können wir nicht verzichten. Ein Schloss finden wir in Ronda nicht. Klar - es ist Sonntag - es hätte uns auch gewundert. Nur einige Souvenirgeschäfte haben geöffnet.

Ronda - Plaza de Espana

Als wir an der Brücke über der Tajo-Schlucht ankommen, parkt auf der Plaza de Espana schon eine andere BMW. Eigentlich herrscht Parkverbot, aber wenn der darf... Wir stellen uns also dazu und packen den Fotoapparat aus. Die Brücke ist legendär, in ihr befindet sich - eine geniale Idee - eine wohl relativ ausbruchsichere Gefängniszelle.

Die Brücke ist das meistfotografierteste Bauwerk in Ronda, wenn nicht sogar Andalusiens. Es prangt oft auf Titelbildern von Büchern & Zeitschriften, die sich mit Andalusien beschäftigen. Der Tourismus bewirbt sie mit "Die Seele Andalusiens". Ronda ist eine Stadt, die auf zwei durch eine Schlucht getrennte Felsen erbaut ist und eine maurisch geprägte Altstadt mit zahlreichen Baudenkmälern besitzt. Ernest Hemmingway empfahl die Stadt als perfektes Ziel jeder romantischen Hochzeitsreise.

Nach kurzer Zeit kommt ein ca. 30jähriges Pärchen angeschlendert, jeder einen Helm in der Hand und er spricht uns an. Er ist Deutscher und lebt hier. Wir unterhalten uns eine kurze Zeit und schließlich bietet er an, uns ein Stückchen aus der Stadt hinauszuführen, wo wir auf einem Feldweg bis unterhalb der Schlucht kämen.

Er wüsste zwar nicht 100%ig genau wo er ist, habe aber eine Vermutung, wir könnten ja mal den dortigen Feldweg ausprobieren. Wir fahren also hinter ihm her und als er abbiegt, deutet er auf einen Feldweg. Hundert Meter folgen wir dem Weg, dann wenden wir wieder. Erstens ist uns eine Offroadfahrt auf solch einem groben Schotterweg in unseren Flatterhosen zu heikel (ich weiß schon, wir sind Schisser, aber im Alter wird man vorsichtiger und die Knochen heiliger ;-)) und zweitens ist es uns der Weg gefühlsmäßig zu weit weg von der Schlucht.

Andalusische Kutscher warten auf Touristen.

Wir fahren zurück zur Stadt und folgen einem anderen Tourguide. Er heißt Instinkt. Bingo. Die Schlucht von unten! Der Wunsch nach dem Foto ist befriedigt, nun gilt es noch unseren Hunger zu befriedigen. Wir suchen ein Restaurant. An einem belebten Platz unter Platanen werden wir fündig. Aber nicht glücklich. Das Essen dauert mehr als eine Stunde. Und dann, es ist 21:30 Uhr, serviert man uns ein völlig anderes Essen als das bestellte.

Vor der Stierkampfarena in Ronda

Auch der zweite, korrigierte Versuch ist wieder nicht das Richtige. Wir kapitulieren und verdrücken die ledrigen Rindfleischstücke in Sherrysoße. Als wir schließlich das Büchlein mit der Rechnung haben, kommt keiner zum Abkassieren. Wir kratzen unsere Barschaft incl. Kleingeld zusammen, um ohne Wechselgeld zahlen zu können und verlassen unseren Tisch. Die Auswahl der Speisen war ambitioniert, aber leider nicht der Service.

Dieser eine Reinfall sollte der einzige auf der ganzen Spanien-Tour bleiben. Einige Male standen bisher außergewöhnliche Gerichte auf der Speisekarte und schließlich auf unserem Tisch, die ganz typisch für eine bestimmte Region waren. In Ronda waren das zum Beispiel eines Abends „Schweinefüße“. In Deutschland kennt man diese unter Umständen als Spitzbeine, aber dann kaum als vollwertige Mahlzeit, sondern eher als Zutat z.B für die Zubereitung einer Sülze. Deshalb fragte der Besitzer des „ Casa Rural“ auch noch mal nach und versuchte mir pantomimisch zu verklickern, was ich da gerade bestellt hatte. Aber das war mir natürlich klar. Das Gericht war dann keine kulinarische Offenbarung, was aber daran lag, daß alles aufgewärmt und abgestanden schmeckte.

Ronda Stierkampfarena
Ronda Stierkampfarena / im Museum

Nachmittags brechen wir noch einmal auf – wieder in leichten Klamotten – wir wollen uns die Stierkampfarena anschauen. Einfach nur die Arena. Einen Stierkampf selbst würden wir nicht sehen wollen. Diese Art der Unterhaltung, die mit der Tötung des Stieres endet, ist in keiner Weise mehr zeitgemäß.

Diesmal im Parkverbot am Plaza des Espana zu stehen trauen wir uns nicht, deswegen fahren wir in die kleinen Gassen der Altstadt und finden auch schon nach kurzer Zeit einen Platz, wie geschaffen für uns. Wir stiefeln los. Im wahrsten Sinne. Denn ich habe trotz der leichten Kleidung schweren Herzens die Stiefel angezogen, weil mir in meinen leichten Leinenschuhen die Fußsohlen beim Aufsteigen schmerzen.

Wie hab ich das bloß ganz früher, in meiner Jugend, ­gemacht? Da hab ich mit dünnen Sandälchen den Kickstarter meines Moppeds betätigt. Und mit welchen leichten Klamotten man gefahren ist! Spaghettitop, kurze Hosen, aber Vollhelm. Lang, lang ist‘s her. Aber wehe, wenn ein Rückschlag vom Kickstarter kam. Ich weiß noch, dass ich dann auch ein klein wenig gejammert hab‘. Tz tz tz – man wird halt nicht jünger.

Olé, Olé, Olé!
Mach mir den Stier auf Japanisch

Die 1785 errichtete Stierkampf-Arena ist die älteste des Landes und wird - wie übrigens auch die Stadt selbst - von vielen internationalen Touristen besucht. Japanische Touristen veranstalten eine lustige Fotosession mit kindischer Stier-Pantomime im sandigen Rund der Arena, während wir auf den zweistöckigen Zuschauerrängen stehen.

In den Straßen von Ronda

Ein Teil der Tribüne ist auffällig dekoriert. Wehrhafte Absperrgitter mit langen Spießen sollen offensichtlich ein Überklettern der Absperrungen in den VIP-Bereich verhindern. Wer weiß, welche hochrangige Prominente in diesem Bereich während der Corrida sitzen und der Pöbel durch die Sperren ferngehalten werden muss?

In einer Bar bestellen wir als Zwischenmahlzeit einen Bocadillo - ein mit Serrano-Schinken und Tomatenpüree gefülltes Baguette. Während des Essens wird nun auch klar, warum wir beim Frühstück außer Baguette und Schinken auch ein Schüsselchen mit einer Tomatenpaste und Olivenöl auf den Tisch gestellt bekommen: aus genau diesen Zutaten besteht unser Bocadillo. Ein leckerer Mix, der offensichtlich bei Spaniern zum Frühstück gang und gäbe ist. Geröstete Baguettehälften, die satt mit Olivenöl getränkt, mit Tomatenpüree bestrichen und mit Schinken belegt werden. Die Spanier vertilgen dabei eine Unmenge Olivenöl. Wir staunen eines Morgens nicht schlecht, als die Flasche Öl, die zwei Spanier für ihren morgendlichen Bocadillo bekommen hatten, nach dem Mahl nur noch halbvoll ist...

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Setenil de las Bodegas

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