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Tolštejn | Jiřetín pod Jedlovou | Mařenice

In den Dörfern leuchten zweifarbige Holzhäuser 
                aus dem Grün der Gärten. Hier sind häufig Umgebindehäuser zu sehen, 
                ein besonderer Fachwerktyp.

Nach einer Stunde Aufbruch an der Bikerhöhle. Die Landschaft hier ist unspektakulär. Das ändert sich, als wir ins Lausitzer Gebirge eintauchen. In den Dörfern leuchten zweifarbige Holzhäuser aus dem Grün der Gärten. Hier sind häufig Umgebindehäuser zu sehen, ein besonderer Fachwerktyp, der sich von dem Häusertyp im Riesen- und Isergebirge ein klein wenig unterscheidet. Das Erdgeschoss ist von Holzgewölben umkränzt, die das erste Stockwerk oder das Dach tragen. Auch der Werkstoff Schiefer wird häufiger eingesetzt, einerseits als Dachdeckung und manche zweistöckige Häuser haben zusätzlich einen Giebel, der mit bunten, ein Muster bildenden Schiefertafeln verkleidet ist.

Tollen auf dem Tollenstein
Tolštejn
Blick vom Tolštejn

Wie immer haben wir keinerlei Unterkunft gebucht, sondern lassen den Zufall arbeiten. Auf dem Tolštejn soll es eine Superaussicht geben und vielleicht auch einige Fremdenzimmer. Die Straße auf den Tolštejn (Tollenstein) ... Mensch, ist das wieder mal sch... ausgeschildert!

Sie führt auf einen 670m hohen Vulkankegel, auf dem eine Burgruine aus dem 14. Jahrhundert thront. Dort gibt es ein Ausflugsrestaurant, das auch Zimmer anbietet. Als wir die Straße gefunden haben und nur noch die letzten 50 Meter fehlen, nehmen wir Anlauf. Der Schotterweg windet sich auf den bewaldeten Hügel hinauf.

Den ganzen Schotterweg können wir nicht einsehen, ein Verbotsschild ist auch nirgends zu entdecken... wir riskieren es also, zusammen mit einigen Radfahrern. Doch irgendwann wird es zu steil. Die Radfahrer haben sich bestimmt schon gewundert. Die erste Möglichkeit zum Anhalten nutzen wir. Sieht nicht so aus, als könnte man hier wirklich mit dem Motorrad weiter ...

Absteigen, laufen. Oben eine Holzterrasse, ein Ausflugsrestaurant, das eher aussieht wie eine Ausflugskantine. Ein Drehkreuz zu einem noch zehn Meter höheren Felsgipfel, auf den eine Treppe führt. Zehn Meter für umgerechnet 0,80 Euro pro Person. Der Blick in die Gaststube und das Haus lässt uns eine Kehrtwende machen. Also wieder runter.

Bremsen. Kippen. Uppps!
Auf dem Jedlova, der mit 774 Metern dritthöchste 
                Berg des Lausitzer Gebirges

Kurze Zeit später sehen wir ein Hinweisschild: Hotel. Restaurace. Jedlova. 2 Kilometer. Jedlova, der mit 774 Metern dritthöchste Berg des Lausitzer Gebirges? Soll da oben ein Hotel stehen? Wir folgen dem Hinweis und landen wieder auf einem geschotterten Waldweg.

Da soll es zu einem Hotel gehen? Ein weiteres Hinweisschild. Wir sind anscheinend immer noch richtig... trotzdem – auf einem Waldweg? Der Weg hat metallene Querrinnen, die das Regenwasser ableiten. Es geht bergauf, stetig bergauf, durch einen dichten Wald.

Nach zwei Kilometern ändert sich der Fahrbahnbelag, die Steigung und die Breite der Straße. Ersteres ist jetzt Asphalt, die rund zweieinhalb Meter breite Straße führt ausgesetzt – und streckenweise sehr steil - den Berg hinauf. Es sind ein paar Fahrradfahrer unterwegs, mit denen wir um den Platz auf der Straße konkurrieren. Mit vollem Gepäck hat die BMW ganz schön zu schnaufen. Ein Auto kommt uns in einer engen Haarnadelkurve entgegen. Bremsen. Kippen. Uppps! Gerade noch gehalten. Weiterhin spitze Kehren, mit absolut krimineller Steigung.... Die BMW ist ganz schön am Kämpfen.

„Willst Du nicht runter schalten?“ weise ich Jochen auf einen Missstand hin. „Du bist gut!“ gibt er zurück. „Das ist schon der erste Gang!“ Der imaginäre Gang unter dem ersten Gang heißt ab sofort „Elke-Gang“. Das Hotel ist eine große Baude aus Natursteinen, im Jahr 1891 gebaut und 1992 restauriert, nachdem sie ab dem zweiten Weltkrieg zu einer Ruine verfallen war. Daneben steht ein steinerner Aussichtsturm. Im Wald vor dem Hotel sind Seile, Leitern und Trittbretter zwischen den Bäumen entlang gespannt und auf einem kleinen Platz trainieren eine Handvoll Kickboxer mit ihren Sparringspartnern. Unsere Zimmerfrage wird leider nicht zufriedenstellend beantwortet. Sie wären bis November ausgebucht, erzählt uns der Wirt.

Lausitzer Dörfer: süsse Holzhäuschen
Unter alten Kastanien kann man seinen Hunger mit 
                böhmischen Gerichten stillen und den Durst natürlich auch

Nach der etwas entspannteren Abfahrt – echt genial, die Aussicht von hier oben! - grasen wir verschiedene Ortschaften auf der Suche nach einem Zimmerchen ab. Süße kleine Dörfer mit Holzhäusern, aber so gut wie keine Unterkünfte. Und wenn, dann geschlossen oder voll oder... was weiss ich. „Was weiss ich“ deswegen, weil wir sprachlich nicht immer auf einem Level mit dem Personal sind. Keine Ahnung, welche Begründung es für das „No“ auf die Frage nach einem Zimmer gibt? Naja, vielleicht auch nur: „Ich versteh dich nicht.“

Dorfgasthaus mit Biergarten

Irgendwann stehen wir in Mařenice vor einem urigen, alten Dorfgasthaus mit Biergarten. Unter alten Kastanien kann man seinen Hunger mit böhmischen Gerichten stillen und den Durst natürlich auch. Eine Reihe von Outdoor-Herzerlhäuschen am Rand des Biergartens ist für die Entsorgung verantwortlich. Es ist zwar nirgends ein Hinweis auf Ubytovani (Unterkunft) zu sehen, aber man kann ja mal fragen. Bingo. Sie haben ein Gästezimmer. Einfach, zu einem unschlagbaren Preis. Und: Sie haben Schwarzbier!!! Ich (Elke), die sonst NIE Bier trinkt, werde hier in Tschechien zur Biertrinkerin! Ein halber Liter dunkles Gut-Ankommer-Bier - ein Genuss nach jeder Tour. Das muss ich mir zu Hause ganz schnell wieder abtrainieren.

Dem Tourverlauf folgen:
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