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Von der Schwarzmeerküste nach Kappadokien

Kappadokien Schon früh am Morgen machen wir uns auf den Weg von Maçka Richtung Kappadokien. Daß es eine lange, lange Reise werden wird, ist uns schon vorher klar. Nach unserer Ankunft wird sich heraus stellen, dass wir genau 750 km gefahren sind. Wir waren schon einmal zwei Jahre zuvor in Kappadokien und haben uns damals mächtig Appetit geholt. Die überaus surreale Landschaft mit gewaltigen Bergen, eigenartigen Tuffkegeln und tiefen Schluchten entstand vor rund 3 Millionen Jahren. Drei Vulkane der Gegend bedeckten das Land mit Lava und Asche.

In den weichen Tuffstein gruben Wind und Wetter Höhlen, modellierten steinerne Pilze und kegelförmige Gebilde, durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Die natürlichen Grotten boten schon den prähistorischen Menschen Unterschlupf. Kappadokien liegt an der Seidenstraße.

Pontisches Gebirge Pontisches Gebirge Nicht nur harmlose Händler statteten den Menschen einen Besuch ab, so daß in den letzten Jahrtausenden die Einwohner dazu übergingen, sich in den Untergrund in das Innere der Felsformationen zurückzuziehen.

Begünstigt durch den weichen und leicht zu bearbeitenden Stein entstanden unterirdische Städte, die Tausende Schutzsuchende beherbergen konnten. Vor allem die verfolgten Christen fanden hier des öfteren Unterschlupf. Aber wir träumen: noch liegen viele Hunderte Kilometer bis Kappadokien vor uns.

Kurz nach Maçka erwartet uns erst einmal die schon zur Genüge bekannten breiten Straßen. Warum auf ihnen mit dem Motorrad nur 70 km/h gefahren werden darf, ist uns immer noch unklar. Aber: andere Länder andere Sitten. Sie werden schon ihre Gründe haben, diese Gesetze zu erlassen. Eins ist klar - die 70 km/h sind auf die kleinen Lärmmonster mit max. 250 ccm zugeschnitten, die die Straßen bevölkern. Wenn die flotter als 70 km/h fahren, vibrieren vielleicht alle Schrauben raus?

Die ersten Berganstiege stehen uns bevor. Es geht hinauf bis auf 2190 m.

Pontisches Gebirge Pontisches Gebirge Der Zigana-Pass bringt uns über den Kalkanli-Gebirgszug. Es wird kühler und wir packen unsere Winterhandschuhe wieder aus. Nachdem kein polizeilicher Blitzer zu sehen ist, erhöhen wir langsam aber stetig das Tempo auf grenzüberschreitende Werte.

Wir wissen ja, dass wir noch einige Kilometer vor uns haben, obwohl wir jederzeit bereit sind bei Bedarf eine Übernachtung einzuschieben.

Wir fahren auf der neuen Strecke des Zigana-Passes. Nach Osten sehen wir immer wieder Abschnitte einer kurvigen, alten Straße.

Für eine entspannte Tagesetappe von 300 km wäre das bestimmt was, jedoch ist diese alte Straße nur geschottert, soweit wir das erkennen können, und darauf haben wir heute überhaupt keinen Bock. Wir wollen flott vorankommen und das lässt nur die neue Straße zu.

Kurze Zeit später haben wir den Eindruck, dass wir uns auf einer Art Hochplateau befinden, weil die Temperaturen nicht steigen und die Abfahrten relativ kurzgehalten sind. Ein weiterer Pass führt uns erneut in höhere Regionen und erspart uns somit das Auspacken der Sommerhandschuhe.

Bis kurz vor Ercincan haben wir schon drei Pässe erfolgreich gemeistert. Da die Straßen generell gut ausgebaut ist und wir so ziemlich die einzigen Verkehrsteilnehmer sind, erreichen wir schon kurz vor 11:00 Uhr bei Ercincan den letzten Pass, den Ahmediye Pass, und biegen vor Ercincan in Richtung Westen ab.

Wir tappen in die (radar)falle

Die auf unserer Karte rot gezeichnete Straße ist gut ausgebaut und birgt allein bis Sivas nochmals fünf Pässe und Übergänge mit Höhen zwischen 1435 und 2190 m. Die Berge sind schneebedeckt und die Sommerhandschuhe bleiben im Koffer.

Pontisches Gebirge Pontisches Gebirge Die Straße gehört uns. Wir begegnen nur wenigen anderen Verkehrsteilnehmern. So erlauben wir es uns, die Geschwindigkeit noch ein wenig zu erhöhen. Oft sind die Strecken gut einsehbar und sollte doch mal ein Blitzer stehen - was bei dem Verkehrsaufkommen wohl ein sehr langweiliger Job für die uniformierten Kollegen sein dürfte - hoffen wir diese rechtzeitig zu sehen.

Wir kommen gut voran. Der Popo protestiert zwar schon langsam über die lange Fahrt, aber die letzten 100 km schaffen wir nun auch noch. Durchhalten! Gleich hinter einer Kuppe stehen in ca. 300 Meter Entfernung zwei Autos auf der rechten Seite, mit der Front zu uns.

Eigentlich ein eindeutiges Zeichen. Wir aber haben dieses verdächtig türkische Parkverhalten nicht frühzeitig genug gedeutet. Es gibt auf der gesamten Stecke nur einen Blitzer. Und WIR sehen ihn nicht! Aber DER uns! SHIT! Wir werden angehalten.

Wir waren um etliches schneller unterwegs, als wir in dem Augenblick gedacht hätten. Jochen murmelt, daß er 90 km/h schätzt, der Beamte korrigiert uns deutlich nach oben: die Kamera beweist es.

Elke durchwühlt demonstrativ alle Ecken nach letzten Resten von unserer Barschaft und versucht dem Polizisten klarzumachen, dass wir nur das haben, was unser Geldbeutel hergibt: 60 TL, was umgerechnet 30,- Euro wären. Ähhhemm, man kann's ja mal versuchen - der junge, türkische Polizeibeamten bleibt humorlos und verlangt standhaft die Buße. Und Handeln ist tatsächlich unmöglich? Aber das Filmchen ist gespeichert und unser Vergehen schriftlich dokumentiert.

Wahnsinn, was der Beamte alles aus dem Führer- und Fahrzeugschein abschreibt und auf den handgeschriebenen schulheftgroßen Strafzettel überträgt. Ausstellungsort, Ausstellungsdatum und Name der Behörde und alle weiteren Angaben werden mit Geduld in aller Ausführlichkeit abgeschrieben. Schließlich malt er uns eine Zahl auf einen Block und eine zweite Zahl darunter. Bei Überweisung innerhalb 30 Tagen müssen wir 265,- TL berappen, bei Barzahlung - sofort!- nur 199 TL. Naja, "nur" ist relativ: Wir hatten noch einige TL im Koffer, mehr hätte die Strafe aber nicht betragen dürfen. Es stellt sich heraus, dass nach dem Bezahlen der Strafe noch genau 1 Türkische Lira in unserem Geldbeutel übrig bleibt.

Das sind also rundgerechnet 50,- Euro Strafe für's Schnellfahren. Hätten wir wegen unseres Schneckentempos noch mal vor Kappadokien übernachten müssen, hätten wir inclusive Verpflegung in etwa das Gleiche rechnen müssen. So haben wir einen Tag mehr in Kappadokien. Ist zwar absolut nicht unsere Art, irgendwelche landestypischen Sitten, Gebräuche oder Gesetze zu verletzen, aber dieses Mal geben wir uns selbst Absolution. Für Jochen ist es das erste Knöllchen überhaupt in der 30jährigen Fahrpraxis.

Nach ca. 11 Stunden Fahrzeit treffen wir dann endlich in Mustafapasa, also in Kappadokien ein.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Mustafapasa

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