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Lipno-Stausee

Prachatice

Die heutige Tagestour zum nächsten Ziel, unserer südböhmischen Lieblingsstadt Český Krumlov, umfasst wieder mal eine Kilometerzahl, für die wir mit allerallergrößter Bummelei gerade mal zwei Stunden benötigen.

Rund um Třeboň ist Schluss mit Hügeln, wir tuckern durch flaches Land, unterbrochen von etwa 500 Teichen. Zu Weihnachten werden die böhmischen Haushalte von hier aus mit leckeren Karpfen versorgt, die zunächst noch eine Galgenfrist in der heimischen Badewanne verbringen, um dann zu Weihnachten zu fettem Kartoffelsalat serviert zu werden.

Klein wenig verwirrende Ausschilderung in Cesky Krumlov

Die Landschaft ist hier um Třeboň herum - da ist er wieder, der Fieslingsbuchstabe, also heißt der Ort lautmalerisch gesprochen Trschebon - für Motorradfahrer nicht besonders spannend, jedoch bringen die meist von hohen Bäumen gesäumten Teiche am Rand der Straßen Abwechslung in die Fahrt. Die Altstadt von Třeboň soll auch ganz nett sein, aber wir lassen sie links liegen, denn vor uns liegt Český Krumlov – und mit deren Altstadt kann keine andere konkurrieren. Wir schließen kurz Bekanntschaft mit Prachatice, haben aber keine Muse für einen Rundgang. Einmal fünf Minuten die Renaissancestimmung auf dem Rathausplatz aufgesogen – das muss für heute reichen.

Ahoj! Ahoj! Der Lipno-Loop.
Mutter aller Flüsse - die Moldau.
Die Moldau ist getupft mit farbigen Kanus 
                und Schlauchbooten, die von frohgelaunten Menschen vorwärts 
                gepaddelt werden.

In Český Krumlov beziehen wir ein Zimmer in einer Pension an der Peripherie der Altstadt. Wir schmeißen unser Gepäck ins Zimmer und düsen wieder ab. Der Lipno-Loop wartet. So nennen wir die Rundtour, die uns einmal rund um den Lipnostausee führt.

Zuvor liegen rund 25 schlängelnde Straßenkilometer, die sich an die Moldau anlegen. Links, rechts, links, rechts, ein herrlicher Kurvenwalzer! Die Moldau ist getupft mit farbigen Kanus und Schlauchbooten, die von frohgelaunten Menschen vorwärts gepaddelt werden.

Wer länger unterwegs ist, führt seine Habe in wasserdichten Tonnen mit sich und hängt sich das Handy in einem dicken Plastikbeutel um den Hals. Gegen den Sonnenbrand helfen lustige „Marine“-Mützen, vietnamesische Strohhüte oder jede andere Art von Kopfbedeckung.

An der Brücke am Ortseingang von Rožmberk nad Vltavou

An der Brücke am Ortseingang von Rožmberk nad Vltavou weist ein Pfeil auf die rechte Seite der Brücke – dort befindet sich die Bootsgasse, die alle Kanu- und Schlauchbootfahrer verpflichtend fahren müssen (auch an anderen Brücken).

Auf einem länglichen Felsvorsprung thront die Burg Rosenberg über der Moldau. Ihre weiss getünchten, dezent sgraffitoverzierten Wände leuchten hell in der Sonne. Am Ufer kann man Boote leihen, sich im Restaurant eine Stärkung verschaffen oder einfach nur den Bootsfahrern zuschauen, was am meisten Spaß macht: ihre gute Laune ist ansteckend.

Moldau - Vltava

Der Lipno-Stausee schlängelt sich über 45 km durch die hügelige und teilweise bewaldete Landschaft des Böhmerwalds. Zunächst lassen wir den Boxer auf der Nordost-Seite des Moldaustausees über kleine Straßen brummeln. Das ist hier sozusagen der Touristenhighway. Die Pensionen, kleinen Hotels und Restaurants schossen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden. Eine riesige Ferienanlage („Marina Lipno“) nimmt in Lipno nad Vltavou den gesamten Uferbereich ein.



Weil die Moldau in schöner Regelmäßigkeit über die Ufer trat, dachte man schon im 19. Jahrhundert darüber nach, den Oberlauf in vielen kleinen Etappen zu stauen. So sollten insgesamt 26 kleinere Staustufen entstehen. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts machten die Kommunisten dann Tabula rasa und überfluteten mehrere Dörfer und sogar eine Eisenbahnlinie, indem sie bei Lipno eine 25 m hohe und 275 m lange Staumauer errichteten. Lipno, ein altes Holzfällerdorf, ging dabei in den Fluten ebenso unter wie Teile von Frymburk, dessen verbliebener, etwas höher gelegener Ortsrest nun auf einer Halbinsel liegt.

Der Straßenbelag ist perfekt, die Kurven sind es auch. Irgendwie zieht es uns auf die andere Seite, an das Ufer, das bis einigen Jahren noch kaum oder gar nicht befahrbar war. Wegen der Grenze zu Österreich erklärten die Kommunisten das Gebiet zum Sperrgebiet und eine gänzliche Umrundung war unmöglich - man konnte lange Zeit nur etwa die Hälfte abfahren.



Der Lipno-Stausee schlängelt sich über 45 km 
                durch die hügelige und teilweise bewaldete Landschaft des 
                Böhmerwalds.

Auf der „drüberen“ Uferseite sind wir unter Bikern: das schmale Micky-Maus-Sträßlein wird ausschließlich von Radlern benutzt. Diese Straße, falls man dazu „Straße“ sagen darf, war abschnittsweise irgendwann mal asphaltiert, wird aber nicht mehr gepflegt.

Der Lipno-Stausee schlängelt sich über 45 km 
                durch die hügelige und teilweise bewaldete Landschaft des 
                Böhmerwalds.

Man kann sie nur aus Richtung Nordwesten kommend fahren, sie ist als Radroute gekennzeichnet. Bei mehrmaligen Fahrten, bei denen wir penibel genau auf die Beschilderung achteten, konnten wir keine Einschränkung sichten. Aber nur von Nordwesten her! Von der anderen Seite her steht ein Fahrverbotsschild! Der Lohn ist eine kleine 2-3 Meter breite Straße, die streckenweise eher den Namen Feldweg verdient und auf der Fahrradfahrer den einzigen Gegenverkehr bilden.

Ab und zu kann man bis zum Wasser gelangen. Wer also baden möchte ... Nur ist der Strand nicht besonders schön, diese Ecke ist eher für Angler interessant. Der Fischer in Ufernähe hat eine Engelsgeduld. Wieder und wieder wirft er sein auf einen Quadratmeter Größe gespanntes, ganz flaches Netz ins Wasser (es gibt sicher einen Fachausdruck für dieses Fanggerät) und hofft, dass sich fette Beute darin fängt. Solange wir ihm zuschauen, fängt er jedoch nicht einmal magere Beute.

Fähre über den Moldaustausee

Schließlich erreichen wir den ersten Fähranleger. Die Fähre kommt zu jeder vollen Stunde, also bleiben uns noch 30 Minuten Zeit, um in der Sonne bei dreißig Grad zu schmoren. Gottseidank schiebt sich eine Gnadenwolke für Motorradfahrer vor die Sonne.

Viele Radfahrer warten mit uns, ein paar Wanderer auch. Die Fähre bringt unterdessen fleißig einen dicken Traktor auf die andere Seite und holt einen Mähdrescher dort ab. Endlich legt die Fähre mit kleiner Verspätung bei uns an.

Fähre über den Moldaustausee

Schon immer belustigten uns die spartanischen Fähren. Auf Bordservice wie Pool und Bar wird wegen der Dauer der Überfahrt großflächig verzichtet. Die Anlegestellen gleichen Straßen, die sich einfach so ins Wasser verlieren. Einige Jahre nach der Wende fuhren wir mit zwei Motorrädern am Fähranlager vor, da wollte uns der Fährmann nur für umgerechnet 10 Euro befördern (normal wären 1,50 Euro gewesen), weil sonst niemand rüber wollte. Wir nahmen dann einfach eine andere - wozu gibt‘s drei Fähren auf dem Stausee? Die Fähren benötigen jeweils etwa 8-10 Minuten, um den See zu überqueren.

Furchteinflössender Fährwachhund ;-)

Vor vielen Jahren, während unserer ersten Böhmerwaldtour, gesellten sich nach einiger Zeit zwei vollbeladene Kieslaster zu uns. Scheel betrachteten wir die schweren Gefährte. Wollen die etwa auch mit auf das kleine Schwimmgefährt? Beide??

Und wie sie wollten! Schließlich gab der erste LKW Gas. Die Fähre bewegte sich plötzlich ein paar Meter vom Ufer weg. Will sie ohne die LKWs losfahren? Aber dann stoppte sie. Jetzt wurde es spannend! Der Kieslaster fuhr ein Stückchen durchs flache Wasser und die Fähre gab Vollgas in Richtung Ufer, während der LKW auffuhr. Das gleiche Spielchen wiederholte sich beim zweiten LKW. Die können das! Ohne dieses Gegenmanöver würde der schwere LKW die Fähre mit seinem Gewicht wegdrücken.

Wollen Sie Extrafahrt?
Klopfsignal für Radfahrer und Fußgänger.
Klopfsignal für Radfahrer und Fußgänger

An der Anlegestelle einer anderen Fähre entdeckten wir damals ein nettes Schild: „Wollen Sie Extrafahrt? Klopfsignal für Radfahrer und Fußgänger.“ Daneben hing an einer Kette das Stück eines T-Trägers, gegen das man schlagen soll. Das laute Geräusch soll dann den Fährmann von der anderen Seite herüberlocken. Wir haben es nicht ausprobiert, aber eine andere Motorradgruppe hat unser Roadbook nachgefahren und auch die Sonderfahrt ausprobiert: der Fährmann kam prompt, das kostete zwar dann den mehrfachen Fährpreis, aber bei den tschechischen Preisen wird man auch dann nicht arm. Aber diese Signalanlage Marke Eigenbau gibt es heutzutage leider nicht mehr. Schade.

Dem Tourverlauf folgen:
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