Tour-Highlights Deutschland Nördlingen

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Stadt der Gerber und des Meteoriten

In einem sehr aufwendig sanierten mittelalterlichen Scheunengebäude aus dem Jahre 1503 wird – im Kratermuseum auf sechs Räume verteilt – der Meteoriteneinschlag mit seinen planetologischen Wurzeln und seinen irdischen Auswirkungen dargestellt.

Nördlingen/Stadt

Nördlingen
Foto: Andreas Praefcke [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

Wer meint, hier sieht es aus, als hätte eine Bombe, sorry, ein Meteorit eingeschlagen, der irrt nicht vollkommen. Nördlingen hat eine herrliche romantische Altstadt und ein Sonntagsausflug hierher auf einen Cappuccino ist ein Genuß! Mit einem Meteoriten hat Nördlingen viel zu tun: Die Stadt befindet sich in einem riesigen Krater, der vor ca. 15 Millionen Jahren von einem Meteoriteneinschlag hervorgerufen wurde.

Der Krater hat einen Durchmesser von ungefähr 25 km. Sieht man sich eine Landkarte an, kann man die annähernd kreisrunde Form des Kraters sehr gut erkennen.

Die kreisrunde Stadtanlage mit der vollständig erhaltenen Stadtmauer (14. Jh., 5 Tore und 11 Türme), deren Wehrgang rundum begehbar ist, und den Fachwerkbauten gehört zu den schönsten mittelalterlichen Städten in Deutschland. Besonders sehenswert sind die "Gerberhäuser", dessen offene Dachböden für die Trocknung der gegerbten Leders genutzt wurden.

Als besonders klar gegliedert, läßt sich der Grundriß der Stadt Nördlingen bezeichnen. Fast kreisrund umschließt eine vollständig erhaltene Stadtmauer, auf einer Länge von 3,5 km, die Altstadt.

Für Profi- und Hobbygeologen hat der Krater eine große Anziehungskraft. Der in Europa einzigartige Krater ist weltweit der am besten erforschte. Im Ries findet man eine Vielzahl von Kiesgruben, die gern von besagten Hobbygeologen aufgesucht werden. Mit ein wenig Glück (und wohl auch geologischem Verstand) kann man hier phantastische Versteinerungen finden. Die Vielzahl der geologischen Funde in und um den Krater herum ist wohl damit zu erklären, daß der Auswurf beim Einschlag des Meteoriten zahlreiche Lebensformen unter sich begrub.

Eine besondere Attraktion bietet Nördlingen durch sein Krater-Museum. Wer Informationen erhalten will, wie der Rieskrater entstanden ist, der ist gut beraten, dem Krater-Museum einen Besuch abzustatten.

Geschichtliches
Die Geschichte der Stadt Nördlingen reicht bis in das 1. Jahrhundert zurück. Damals bestand das heutige Nördlingen aus einem römischen Kastell und Zivilsiedlung. Diese wurde nach 233 aufgegeben.

Die Erbauung der wundervoll erhaltenen Stadtmauer geht auf das Jahr 1327 zurück. In diesem Jahr befiehlt Ludwig der Bayer die bis dahin gewachsenen Vorstädte zu ummauern.

Nördlingen
Foto: Tilman2007 [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

Von 1427 bis 1519 wird in Nördlingen die spätgotische Hallenkirche, die St.-Georgs-Kirche, mit ihrem 90 m hohen Turm, der liebevoll als "Daniel" bekannt geworden ist, gebaut.

Einen drastischen Einschnitt in der Bevölkerungsanzahl erhält Nördlingen 1634 bei der Schlacht um Nördlingen. Nachdem die Stadt drei Wochen lang von dem kaiserlich-katholischen Heer mit 36000 Mann belagert, beschossen und bestürmt wird, wird sie aber erst eingenommen, als das schwedisch-protestantische Heer mit 24000 Mann in der Schlacht auf dem Abluch am 6. September 1634 entscheidend besiegt und in die Flucht geschlagen wird.

Nördlingens Bevölkerung von 8790 Einwohnern von vor 1618 sinkt bis zum Jahr 1652 auf 4350 und erreicht erst wieder 1939 den alten Stand von vor 1618.1998 kann Nördlingen auf 1100 Jahre Stadtgeschichte zurückblicken und feiert dies natürlich gebührend.

Nördlingen/Krater Museum

Nördlinger Rieskrater
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Vesta mit Landsat 7 Satellitenbild via Wikimedia Commons

Auf der Erde gibt es ca. 120 bekannte Einschlagkrater, die durch Meteoriten entstanden sind. Nur sehr wenige Krater sind jedoch so gut erhalten und zugänglich wie das Nördlinger Ries.

Dies erklärt das große Interesse der Wissenschaftler; sogar die Astronauten der Apollo-14-Mondmission trainierten in Rieser Steinbrüchen die Probeentnahmen von Gesteinsmaterial. Denn nur im Ries findet sich Gestein, wie es auch ähnlich auf dem Mond vorkommt.

Die Forschungsergebnisse aus dem Ries halfen den Wissenschaftlern mit, die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems zu ergründen.

Das Ries liegt inmitten der Schwäbisch-Fränkischen Alb. Die flache Schüssel, die das Ries im Juragebirge bildet, beschäftigte nahezu 200 Jahre lang die Forscher; erst in den sechziger Jahren gelang es dann einem amerikanischen Wissenschaftler, das Rätsel zu lösen.

Die Forscher versuchten mit einigen Theorien zu erklären, wie dieser Kessel mitten in der Alb entstanden sein könnte. Zuallererst dachte man, daß es sich beim Ries um einen ehemaligen Vulkan handele; dann gab es eine Gletschertheorie und die Explosionstheorie.

Erst die Amerikaner E.M Shoemaker und E.C.T Chao konnten das Rätsel lösen. Ihnen war aufgefallen, daß es im Ries Gesteinsarten gab, die auf natürliche Weise nicht auf dieser Erde vorkommen.

Nur bei Atombombenversuchen und bei Untersuchungen von Meteoriteneinschlägen wurde ähnliches Gestein, das durch ungeheuren Druck entsteht, den irdische Kräfte nicht aufbringen können, gefunden. Damit war bewiesen: Das Ries war vor ca. 15 Millionen Jahren durch den Einschlag eines ca. 1200 m durchmessenden Meteoriten entstanden.

Vermutlich aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars- und Jupiterbahn kommend, schlug der Meteorit mit einer Geschwindigkeit von 100 000 km/h auf und drang ca. 1000 m tief ein. Dabei entstand eine Energie, die vergleichbar ist mit der Sprengkraft von 250.000 Hiroshima-Bomben oder 50 Stück 100 Megatonnen-Wasserstoffbomben. Der Meteorit verdampfte in Millisekundenbruchteilen.

Es entstand ein Glutstrom, der über das Land zog und im Umkreis von über 100 Kilometern alles pflanzliche und tierische Leben auslöschte. Tonnenschwere Gesteinsblöcke flogen bis zu 60 km weit und noch im Gebiet der Tschechoslowakei wurden kleinere Gesteine, in Form von "Glastropfen" gefunden. In Folge dieser Naturkatastrophe kam es zu sintflutartigen Regenfällen.

Der Krater füllte sich mit Schlamm- und Geröllmassen und bis zum Rand mit Wasser. Damals entstand der sogenannte Riessee, der mit rund 400 km² Wasserfläche der drittgrößte See Europas wäre, gäbe es ihn heute noch.

Im Laufe der Zeit siedelte sich auch das Leben wieder rund um den See an. Nach ca. 2 Millionen Jahren waren Abläufe entstanden und der See verlandete. Aus dem tiefen Krater waren durch Ablagerungen und Erosion ein flacher Kessel geworden. Dieser sammelte dann im Laufe der Millionen von Jahren bis heute fruchtbaren Löß auf, den die Winde in den Krater bliesen.

Dieses Löß ist noch heute die Grundlage für den ausgezeichneten Boden, auf dem die Rieser Bauern erfolgreich wirtschaften können. Deshalb wird das Ries auch als zweite Kornkammer Bayerns bezeichnet.

Das Ries wurde vor ca. 130 000 Jahren besiedelt. Seit dieser Zeit ist eine lückenlose Besiedelung des Kraters nachweisbar. Es genießt deshalb in weltweite Bedeutung. Diesbezüglicher Höhepunkt ist die Ausstellung eines Stücks Mondgestein, das die NASA zur Verfügung gestellt hat. Im Rieskratermuseum Nördlingen kann man das Stück vom Mond besichtigen; dazu wird ein Videofilm gezeigt, in dem zu sehen ist, wie ein US-Astronaut von Apollo 14, wie er es vorher im Ries trainiert hatte, eben diesen Mondstein birgt. Phantastisch!

Heute ist das Ries eine einzigartige Landschaft; sogar ein eigenes Klima gibt es hier, mit mehr Sonnentagen und milderen Temperaturen als in der übrigen Region.

Öffnungzeiten
von Mai bis Oktober täglich
von 10:00 bis 16:30 Uhr,
montags geschlossen.

von November bis April
täglich von 10:00 bis 12:00 Uhr und 13:30 bis 16:30 Uhr,
montags geschlossen

Riedbergpass