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Bayern | Schwaben

Stadt der Gerber und des Meteoriten

Nördlingen/Stadt

Nördlingen
Foto: Andreas Praefcke [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

Wer meint, hier sieht es aus, als hätte eine Bombe, sorry, ein Meteorit eingeschlagen, der irrt nicht. Nördlingen hat eine herrliche romantische Altstadt. Die Stadt befindet sich in einem riesigen Krater von 25 Kilometern Durchmesser, der vor 15 Millionen Jahren von einem Meteoriteneinschlag hervorgerufen wurde.

Die kreisrunde Stadtanlage aus dem 14. Jahrhundert mit der vollständig erhaltenen Stadtmauer (3,5 Kilometer, fünf Tore und elf Türme), deren Wehrgang rundum begehbar ist, und den Fachwerkbauten gehört zu den schönsten mittelalterlichen Städten in Deutschland. Besonders erwähnensswert sind die "Gerberhäuser", dessen offene Dachböden für die Trocknung der gegerbten Leders genutzt wurden.

Der in Europa einzigartige Krater ist weltweit der am besten erforschte. Im Ries findet man eine Vielzahl von Kiesgruben. Mit ein wenig Glück und wohl auch geologischem Verstand kann man hier phantastische Versteinerungen finden. Die Vielzahl der geologischen Funde in und um den Krater herum ist wohl damit zu erklären, dass der Auswurf beim Einschlag des Meteoriten zahlreiche Lebensformen unter sich begrub.

Eine besondere Attraktion bietet Nördlingen durch sein Krater-Museum. Wer Informationen erhalten will, wie der Rieskrater entstanden ist, der ist gut beraten, dem Krater-Museum einen Besuch abzustatten.

Nördlingen
Foto: Tilman2007 [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

Nördlingen/Krater Museum

Nördlinger Rieskrater
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Vesta mit Landsat 7 Satellitenbild via Wikimedia Commons

Auf der Erde gibt es rund 120 bekannte Einschlagkrater, die durch Meteoriten entstanden sind. Nur sehr wenige Krater sind jedoch so gut erhalten und zugänglich wie das Nördlinger Ries. Inmitten der Schwäbisch-Fränkischen Alb gelegen, beschäftigte es nahezu 200 Jahre lang die Forscher; erst in den sechziger Jahren gelang es dann einem amerikanischen Wissenschaftler, das Rätsel zu lösen. Die Forscher versuchten mit einigen Theorien zu erklären, wie dieser Kessel mitten in der Alb entstanden sein könnte. Zuallererst dachte man, dass es sich beim Ries um einen ehemaligen Vulkan handele; dann gab es eine Gletschertheorie und die Explosionstheorie.

Vermutlich aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars- und Jupiterbahn kommend, schlug der Meteorit mit einer Geschwindigkeit von 100. 000 km/h auf und drang tausend Meter tief ein. Es entstand ein Glutstrom, der über das Land zog und im Umkreis von hundert Kilometern alles pflanzliche und tierische Leben auslöschte. Tonnenschwere Gesteinsblöcke flogen bis zu sechzig Kilometer weit und noch im Gebiet der Tschechoslowakei wurden kleinere Gesteine, in Form von "Glastropfen" gefunden. In Folge dieser Naturkatastrophe kam es zu sintflutartigen Regenfällen.

Der Krater füllte sich mit Schlamm- und Geröllmassen und bis zum Rand mit Wasser. Damals entstand der sogenannte Riessee, der mit rund 400 Quadratkilometer Wasserfläche der drittgrößte See Europas wäre, gäbe es ihn heute noch. Im Laufe der Zeit siedelte sich auch das Leben wieder rund um den See an. Nach zwei Millionen Jahren war aus dem tiefen Krater ein flacher Kessel geworden. Dieser sammelte dann im Laufe fruchtbaren Löß. Dieses Löß ist noch heute die Grundlage für den ausgezeichneten Boden, auf dem die Rieser Bauern erfolgreich wirtschaften können. Wahrlich eine einzigartige Landschaft; sogar ein eigenes Klima gibt es hier, mit mehr Sonnentagen und milderen Temperaturen als in der übrigen Region.

Zugspitze - bayrisches Highlight, im wahrsten Sinne