Der Edersee

Blick auf den Edersee von der Burg WaldeckDer Ederkopf, 676 m hoch gelegen, gilt als Ursprung des Wassers des Edersees. Die Quelle und die vielen kleinen Zuflüsse füllen, seit dem Bau der Sperrmauer im Jahre 1908, den See mit Wasser. Einen sehr guten Überblick über die gesamte Fläche hat man von der Burg Waldeck aus. Natürlich lohnt sich auch ein Besuch des Burgmuseums (Thema: Justiz im Wandel der Jahrhunderte), nicht nur des Ausblicks wegen.

Mit einer gesamten Länge von 27 Kilometer und der größten Breite direkt an der Staumauer, faßt der Edersee ein Gesamtvolumina von 202 Millionen m3. Die größte gemessene Tiefe des Edersees befindet sich direkt an der Staumauer mit einer Höhe von 42 Metern.

Ein Teil der SperrmauerDas im Edersee gespeicherte Wasser dient vorwiegend der Energieerzeugung durch Wasserturbinen. Diese Turbinen-Anlage ist auch zu besichtigen. Ein Besuch dieser ingenieur-technischen Meisterleistung sei, laut Info-Material, recht sehenswert und führt in das tief im Berg gelegene Kavernenkraftwerk. Wir haben uns jedoch den Besuch erspart - die Uferstraße lockte wesentlich intensiver!

Grund für die Erbauung der Edertalsperre war eigentlich, um die benötigten Wassermassen des kurz vorher erbauten Mittellandkanals zur Verfügung zu stellen, der wiederum dient der Schiffbarmachung der Oberweser und der Fulda. Zu einem weiteren, wichtigen Grund gehörte die Zähmung der bis dato recht unregulierten Eder, die immer wieder zu Überschwemmungen des unteren Edertals und der Fulda führte.

Durch die Anstauung des Wassers bedingt, mußten ähnlich dem Reschensee, Dörfer (Teile von Nieder-Werbe und Herzhausen) geräumt werden. Etwa 900 Menschen mußten ihren Standort wechseln. Bei Niedrigwasser tauchen einige Bauten aus der nassen Versenkung auf.

Heute jedoch runden eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten das Erholungspotential des Edersees ab. Angefangen von Angel-Gelegenheiten über Ausflugsmöglichkeiten zum Wildpark Edersee und Aquapark Hemfurth-Edersee bis hin zum Besuch von malerisch gelegenen Ortschaften wie: Korbach, Frankenberg, Willingen etc. steht der Erholung hier nichts mehr im Wege.

Die StaumauerAber es war nicht immer so idyllisch und ruhig an der Edertalsperren. Wie man sogleich sieht: Wir schreiben das Jahr 1943. Die Piloten der englischen Royal Air Force benötigen hunderte Übungsflüge über heimischen Gewässern, bei denen 2500 Übungsbomben versenkt werden, um sich auf den Tag X vorzubereiten.

Tag für Tag bringen Mosquito-Aufklärer Informationen über die großen Talsperren im Sauerland über den Kanal. Die Möhnetalsperre soll ebenso angegriffen werden wie die Sorpetalsperre, wobei die Sorpetalsperre durch ihren Erddamm als schwer zerstörbar gilt und nur als Ablenkungsmanöver herhalten muß, bis die Hauptangriffe auf die Eder- und die Möhnetalsperre geflogen sind.

Das Material der Aufklärer zeigt, daß die Edertalsperre bis zum Rand gefüllt ist, in der Möhnetalsperre fehlen noch ein paar Meter bis zur vollständigen Füllung. Ein wichtiges Kriterium für das Ergebnis der Bombardierung ist der hohe Wasserstand, denn bei einem niedrigen Wasserstand hätte die verstärkende Wirkung des Wassers gefehlt. Als Angriffstermin wird die Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 festgelegt.

Nach der nächtlichen KatastropheDie Menschen an den Talsperren kennen die offizielle Meinung: Die Talsperren gelten für praktisch unangreifbar. Die bekannten Bombentypen sind für einen Angriff auf die Mauer nicht geeignet, die Anflugverhältnisse sind zu schwierig und bei normaler Flughöhe ist die Krone der Mauer kaum zu erkennen. Das sind die Gründe, warum der Flakschutz von der Edertalsperre abgezogen wird.

9 Maschinen des Typs Lancaster sollen die Möhne- und danach die Edertalsperre angreifen, während 5 Maschinen als Ablenkmanöver die Sorpetalsperre angreifen. Als die Staffel die Möhnetalsperre anfliegt, eröffnet die Flak sofort das Feuer auf die 8 Lancasters (eine Maschine ist über dem Ruhrgebiet in Flakfeuer geraten und abgestürzt).

Nach der nächtlichen KatastropheFünf Anflüge unter ständigem Flakbeschuß sind nötig, bis die fünfte Bombe die Mauer so trifft, daß sie ihre verheerende Wirkung entfalten kann. Eine Lancaster gerät dabei durch einen Flaktreffer in Brand und stürzt ab.

Sofort begibt sich das Fluggeschwader, unter der Leitung von Wing Commander Guy Gibson, auf den Weg zu der unbewachten Edertalsperre, die in 70 km Entfernung im Vollmondlicht liegt. Trotz fehlendem Flakbeschuß ist die Anflugsituation hier um einiges schwieriger. Eine geschlagene Stunde kreisen die Lancaster-Maschinen über dem See und keine ihrer zerstörerischen Angriffe zeigt die gewünschte Wirkung. Zuletzt bleibt nur noch eine Bombe übrig. Die letzte Lancaster gibt den Befehl zum Ausklinken der Bombe ...

Eine erdbebenartige Erschütterung durchläuft den Talgrund und Sekunden später ist das Edertal ein brodelndes, todbringendes Meer.

Die Lancaster beim Abwurf der BombeDie Bombe, die später die Edertalsperre zerstören soll, wird von den Engländern speziell für die Zerstörung von vermeintlich unzerstörbaren Sperrmauern konstruiert. Wenn man bedenkt, daß die Sperrmauer am Fuß des Bombentrichters eine Dicke von 18 m hat, kann man sich vorstellen, welche Kraft die Sprengung hat. Monatelang tüftelt die Royal Air Force unter strengen Geheimhaltungsauflagen an der todbringenden Bauart der Bombe. Sie soll so konstruiert werden, daß sie nicht sofort beim Aufprall auf die Wasseroberfläche oder auf die Sperrmauer explodiert. Dazu entwickelt man eine Rotationsbombe, auch "Teufelsei" genannt, die während des Anflugs auf das Angriffsziel in Drehungen versetzt wird.

Eine LancasterDie Bombe hängt quer unter dem Flugzeug, wird in Drehungen versetzt und rollt so - vorausgesetzt, der Anflug ist exakt - an der Sperrmauer nach unten und explodiert erst in der Tiefe am Fuß der Mauer. Ausgelöst durch den Wasserdruck, reagiert ein Tiefenzünder und setzt somit die todbringenden Kräfte frei. Wichtig bei dieser Technik ist, daß der Tiefenzünder erst ab einer bestimmten Tiefe zündet, damit der Wasserdruck sich zur Explosionskraft addiert und somit die Sperrmauer sprengen kann.

Die Edertalsperre gilt als "sichere" Talsperre. Eine Bombardierung hält man für äußerst unwahrscheinlich, da ein Anflug von Bombern durch die den See einrahmenden Berge als unmöglich angesehen wird. So ist es möglich, daß das englische Geschwader keine Gegenwehr vorfindet, als es die Talsperre anfliegt. Die Wirkung des Angriffs hängt zum großen Teil vom Können der Piloten ab. Sie müssen sich exakt 18 m über der Wasseroberfläche befinden, wenn sie die Bombe ausklinken. Ein Problem besteht auch darin, diese Höhe zu messen: die Messinstrumente verfügen nicht über die nötige Genauigkeit. Schließlich behilft man sich damit, unter dem Flugzeug zwei Scheinwerfer zu befestigen: einen am Bug und einen am Heck. Wenn sich die Lichtkegel genau auf der Wasseroberfläche treffen, dann erst ist sich der Pilot sicher, daß er sich exakt in 18 m Höhe über dem Wasserspiegel befindet.

Rotationsbombe, auch "Teufelsei" genanntNoch nie sind englischen Piloten in dieser Höhe einen Angriff geflogen und sie beurteilen diese Aktion als reines Selbstmordkommando, noch dazu, da diese Aktion nachts stattfinden soll. Die ersten Anflugübungen finden in einer Höhe von 46 m statt, aber dies erweist sich als Irrtum: Die Übungsbombe zerschellt wirkungslos auf der Wasseroberfläche. Ist die Vorschrift von 46 m schon ein risikoreiches Unterfangen, 18 m sind der glatte Wahnsinn

Die Aktion "Unterholz" (Downwood) läuft weiter und bald stellen sich auch befriedigende Ergebnisse ein. Unverzüglich bekommen mehrere Rüstungsfabriken den Auftrag, solche Bomben herzustellen: mit einem Durchmesser von 3,40 m und einem Gewicht von 3,9 t. Insgesamt 2500 Übungsbomben versenken die Flieger in englischen Gewässern, bis die Treffsicherheit nichts mehr zu wünschen übrig läßt. Und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

In den Gemeinden des Edertales, die von der Flutwelle erfaßt werden, spielen sich erschütternde Szenen ab.

In zahlreichen Häusern können sich die Bewohner nicht mehr in Sicherheit bringen und werden in den oberen Stockwerken der Häuser eingeschlossen. Hilfe ist keine zu erwarten, denn jedes Boot würde von den reißenden Wassermassen fortgespült.

Die Staumauer  kurz nach dem AngriffBesonders stark wird das Dorf Affoldern von der Katastrophe betroffen, der größte Teil der Häuser fällt dem Wasser zum Opfer. Auch in vielen anderen Dörfern werden Häuser fortgespült und Bewohner, die sich nicht rechtzeitig in höhere Lagen retten können, finden den Tod. In dem entfernten Fritzlar schenkt man der telefonischen Warnung nicht die erforderliche Aufmerksamkeit. So kann das Wasser immer noch viel Schaden anrichten. Am Vormittag erreicht die Flut Kassel, wo die Altstadt überflutet wird und ebenso Menschenleben fordert.

Erst allmählich geht das Wasser wieder in sein ursprüngliches, jetzt stark erweitertes Flußbett zurück. Ein Bild des Grauens bietet sich den Anwohnern: Vieh ist in den halb weggespülten Ställen ertrunken, Häuser sind zerstört oder schwer beschädigt, die Felder sind meterhoch mit Steinen verwüstet. Im Edertal finden 47 Menschen den Tod.

Die Staumauer  kurz nach dem AngriffAls die Nachricht von der Zerstörung der Talsperren bei den Behörden ankommt, wird die Tragweite heruntergespielt: "Schwache, britische Fliegerkräfte drangen vergangene Nacht in das Reichsgebiet ein und warfen an einigen Orten eine geringe Anzahl von Sprengbomben." Aber kurze Zeit später wird der Nachrichtendienst zugeben, daß bei den Angriffen auf die Talsperren 370 Deutsche um Leben kamen, weiterhin 341 Kriegsgefangene.

Am Morgen nach dem Angriff gehen Fachleute daran, das Ausmaß der Schäden an der Edertalsperre zu beurteilen. Sie stellen fest, daß die Bombe ganze Arbeit geleistet hat:
Von 202 Millionen Kubikmetern Wasser haben sich rund 160 Millionen ins Edertal gestürzt - rund 8.500 Kubikmeter in der Sekunde! Ganze 13.000 Kubikmeter Gestein werden aus der Mauer gerissen, die am Fuß der Bombenlücke über 18 m stark ist.

Der EderseeDie Kraftwerke blieben zwar erhalten, aber die Anlagen und Maschinen werden beschädigt. Die Flutwelle bringt etwa neunmal so viel Wasser mit sich als das schlimmste Hochwasser vor dem Bau der Talsperre mit sich führte.

Die Sperrmauer wird in den darauffolgenden Monaten mit großem Arbeitskräfte- und Maschinenaufgebot wieder instand gesetzt, wobei entgegen einiger Widerstände Wert darauf gelegt wird, daß dies nicht mit einer schnelleren Notlösung geschieht, sondern das Mauerwerk mit den vorher schon verwendeten Materialien und Techniken wieder hergestellt wird.

Der Edersee liegt in einem Dreieck, das von den Städten Korbach, Bad Wildungen und Frankenberg gebildet wird. Eine günstige Verkehrsanbindung über Bundesstraßen und weniger günstige, dafür aber landschaftlich reizvolle Sträßchen sorgen für eine ungetrübte Anreise.

Blick auf den Edersee von der Burg WaldeckLeider bietet sich nicht die Möglichkeit, den Edersee komplett mit dem Fahrzeug zu umrunden. Eine Strecke, die den Edersee zumindestens großteils tangiert geht von Affoldern über Waldeck nach Herzhausen. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf dieser Straße auf 50 km/h begrenzt. An der Sperrmauer befindet sich ein Parkplatz, mit einigen Parkbänken, von denen aus es sich herrlich die vorbeifahrenden Motorradfahrer belästern lässt. Dafür ist eine Bank ganz offiziell als "Bikers Läster-Bank" ausgewiesen. in Kiosk auf dem Parkplatz versorgt die hungrigen und durstigen Ausflügler mit allen Lebenswichtigem.

Auf der Mauer, auf der Lauer liegt ne kleine....

Wegbeschreibung:

Korbach -> B 251 Sachsenhausen -> in Sachsenhausen Richtung Nieder-Werbe -> Waldeck -> Edersee

Bad Wildungen -> B 253 Gem. Edertal -> Giflitz -> Mehlen -> Affoldern -> Heinfurth -> Edersee

Frankenberg -> B 252 Schmittlotheim -> Kirchlotheim -> Herzhausen -> Vöhl -> Nieder-Werbe -> Waldeck -> Edersee

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