Anreise
 

Nur wenige Tage Planungszeit hatten wir zur Verfügung, als feststand, daß wir im April und nicht wie sonst im Mai/Juni unsere Motoradtour unternehmen. Anfang April müssen wir auf jeden Fall so südlich wie möglich fahren, um den Frühling zu erhaschen.

Der Wetterbericht macht uns nicht gerade Mut: 6 bis 10 °C. Regenwahrscheinlichkeit hoch. Wir packen uns in unsere Ganzkörperkondome und kämpfen uns zunächst bis zum Bodensee und von da aus durch die Schweiz nach Genua. Am San Bernhardino-Tunnel schneit es. Shit!

Bitte lass es wieder regnen, Petrus!!! Wir freuen uns um jeden Meter, den wir tieferen Gefielden und damit dem Regen näher kommen. Am Hafen von Genua stellt sich uns die Frage nach einem trockenen Parkplatz. Es regnet in Strömen und bis die Fähre um 23.00 Uhr abfährt, dauert es noch paar Stunden. Wir parken schließlich unter dem Fährhafengebäude: vor der Polizeiwache - im absoluten Halteverbot.

Anfangs halten wir bei jedem Polizeiwagen, der vorbeischleicht, die Luft an und warten auf den großen Anschiß. Sie sind zwar neugierig und beäugen uns, aber vielleicht haben sie mit den durchnässten Deutschen Mitleid...

Nach dem fünften Wagen sind wir uns sicher: der Anschiß wird nicht eintreffen. Um diese Jahreszeit ist es einfach, vor Ort ein Kabinen-Ticket für die Fähre zu bekommen. Im Hafengebäude gibt es einen "Coop", und so können wir uns dort mit allem notwendigen Lebensmitteln und Getränken für die über 20stündige Überfahrt nach Palermo eindecken.

Um 21 Uhr können wir ins Autodeck einfahren. Weil es nach wie vor Bindschnüre regnet, haben wir die Verhüterlis wieder angezogen, da wir nicht wissen, wie lange wir vor der Klappe stehen und warten müssen. Im Bauch der Fähre ist es schwülwarm. Motorrad verzurren. Abpacken, was wir brauchen und über steile Stiegen, Treppen nach oben und zu unserer Kabine - da hat vor allem Jochen seine eigene Dampfsauna dabei ;-)

 
 

Das Schiff rummelt und ruckelt. Mehr als unsere bisherigen Kähne Richtung Griechenland. Irgendwas in unserer Kabine vibriert. Abends suchen wir vergeblich nach einem netten Plätzchen, wo wir unseren mitgebrachten Rotwein köpfen können. Doch diese netten Sesselgruppen wie auf den griechischen Fähren gibt es hier nicht. Alles Bars, Restaurants, Money, Money.

Am nächsten Tag nachmittags haben wir uns gerade noch einmal zu einem verspäteten Mittagsschläfchen in die Kabine begeben. Wir trauen unseren Ohren nicht, als wir auf dem Gang eine Durchsage hören:"...in 10 Minuten sind die Kabinen zu räumen!"

Und schon klopft einer an die Tür: "Forza! Forza!" Hektik, Chaos. Wieso das denn? Es sind doch noch 2 Stunden bis zum Anlegen. Irgendwas haben wir da verpennt! Der Forza-Typ holt sich einen kurzen Anpfiff, als wir nach seiner Meinung nicht schnell genug unser Chaos meistern...

Wir verlassen die Kabine. Und stehen uns die nächsten zwei Stunden die Beine in den Bauch. An der Rezeption. Am nächsten Deck. An der nächsten Tür. Immer müssen wir wieder an irgendeiner Tür warten. Dann sind endlich die LKWs raus und wir dürfen wieder ein Treppchen tiefer.

Es ist halb 8 Uhr abends, bis wir auf festem Boden in Palermos Hafen stehen. Eins wissen wir: wir übernachten irgendwo außerhalb. Deshalb stürzen wir uns unverzüglich ins Verkehrsgewühl.

1. Preisfrage: Was macht ein Motorradfahrer, der auf eine Kreuzung einer vierspurigen Straße zufährt. Auf der Kreuzung steht ein Polizist und ein Verkehrsschild zeigt an, daß man nicht links abbiegen darf. Der Motorradfahrer muß aber nach links! Was macht der Motorradfahrer? Richtig, er biegt nach links ab!

2. Preisfrage: Was macht der Motorradfahrer, wenn er auf einer vierspurigen Straße auf eine Ampel zufährt, die schon längst auf ROT umgeschaltet hat, aber alle anderen trotz hupenden Querverkehrs weiter fahren... Richtig, er fährt auch bei ROT!

Hui, hier sind jegliche Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt! Zweispurige Straßen werden drei- bis vierspurig befahren (bei uns würde man das Effektivität nennen).

In Deutschland hätte Jochen nach 10 Minuten Fahrzeit den Führerschein schon mindestens zweimal abgeben müssen! Bißchen mulmig ist uns schon. Aus diesem Grunde wird die Videokamera, die diese amüsante Fahrt großteils aufzeichnet, bei Stopps immer in der Jacke verstaut ;-)

Eine Stunde später befinden wir uns endlich im Bergnest Caccamo. Im grellen Licht eines Scheinwerfers blättere ich auf einem Firmengelände in unserem "kleinen Müllerchen", weil ich gelesen hatte, daß in diesem Bergdorf ein kleines Hotel existiert.

Just in diesem Augenblick will ein Angestellter das große Rolltor, hinter dem wir uns befinden, schließen, mahnt uns aber zu Ruhe, wir sollen mal keine Hektik machen....

Das Hotelzimmer ist schlichter Standard, aber ausreichend und sauber. Vorteil ist die darunter befindliche Pizzeria, die zugleich Nachteil ist. Beide - Pizzeria und Zimmer - sind gefliest und so hallt es bis weit nach Mitternacht aus der Pizzeria in unser Zimmer.

 

Zeitsprung: 3 Wochen später / Palermo bei unserer Abreise:

So leicht, wie wir von der Fähre nach draußen ins Bergland gefunden haben, finden wir den Hafen beim Reinfahren nicht. Erstes Problem: die Sprachbarriere. Wir fragen einen älteren Herren. Statt zum Porto schickt er uns zum "Pollo" (Hähnchen). Daß er uns in die Irre schicken will, erkennen wir an der typisch sizialianischen Geste: er bohrt sich nach seiner Erklärung mit dem Zeigefinger in der Wange - was soviel heißt wie "Schmeckt gut!"

Der zweite Hilfeversuch von zwei jungen Damen ist perfekt: sie sprechen perfekt italienisch, und wir verstehen perfekt Bahnhof.

Die Straßen der Innenstadt sind verstopft bis zum Gehtnichtmehr. Ein Auto reiht sich ans Andere, im Schritttempo geht es maximal vorwärts.

Währenddessen erreicht ein mit Blaulicht bewaffnetes Zivilfahrzeug die verstopfte Straße. Hektisch hängt ein Flüche ausstoßender Ziviler mit dem ganzen Oberkörper aus dem Beifahrerfenster und fuchtelt wildverzweifelt und chaotisch mit der Kelle.

Beim dritten Versuch, uns nach dem Weg zu erkundigen, haben wir mehr Glück: Wir halten einem Motorradpolizisten den Palermo-Stadtplan unter die Nase. Er winkt nur ab und bedeutet uns, ihm zu folgen.

Der Polizist hat ebenso wie wir zwei Koffer am Mopped und schlängelt sich wo Platz ist an den Autos vorbei, oft links - meist jedoch rechts, gegebenenfalls auch auf dem Fußweg. Teilt Schimpfe aus, wenn Autofahrer unachtsam plötzlich die Tür öffnen und klappt anderen den Außenspiegel ein, damit wir mit den breiten Koffern durchkommen.

Detailierte Tips und Infos zur Anreise und Fähre: unter Reise-Infos im Hauptmenü!

 

 

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