Schlucht Íspica

Als wir die ersten Kilometer in der Provinz Ragusa unterwegs sind, ist unser ersten Eindruck: Die haben hier zuviele Steine! Alle Straßen, vor allem aber die kleinen, haben an den Rändern kilometerlange Trockenmauern aus losen hellen Steinen. Unsere Vermutung ist, daß man die Steine von den Feldern glaubt und dann am Rande aufschichtet. Schön sieht es aus und ist praktisch.

Zuerst fahren wir zur Ispica-Schlucht, ital. Cava d' Ispica. An der Straße von Rosolini nach Modica liegt der Hauptzugang zur Schlucht. Nach einem kleinen Eintrittsobulus führt ein leicht begehbarer Wanderweg in die Schlucht hinein. Nach vielleicht 10 minütiger Gehzeit gelangt man zu Höhlen, in deren Böden und Wänden sich Hunderte von Felsgräbern befinden. Die Grotten wurde teilweise schon in der Steinzeit aus dem Fels geschlagen. Sie dienten Sikulern als Grabhöhlen, später der christlichen Bevölkerung als Wohnungen, Katakomben und Gebetsstätten.

Die eindruckvollsten Grabhöhlen sind die als Larderia bezeichneten Katakomben aus der Zeit des 4./5. Jahrhunderts. Zu besichtigen sind auch der Komplex von Camposanto, zwei aneinander angrenzende Grabhöhlen sowie die Höhlenkirche Santa Maria, die vermutlich aus dem 11. Jahrundert stammt.

Bis zu diesen Höhlen ist der Weg gut ausgebaut, danach mündet er in einen schmalen, an vielen Stellen verwucherten Pfad und führt laut unserer Karte noch ein Stück in die Schlucht hinein.

 
 

Am anderen Ende der Schlucht befindet sich die Stadt Ispica, die wir widerum mit dem Motorrad erreichen. Bis zum Erdbeben 1693 befand sich in diesem Ende der Schlucht die Stadt Spaccaforno, wie Ispica im Mittelalter genannt wurde. Erst seit 1935 trägt sie ihren heutigen Namen.

Aufgrund archäologischer Ausgrabungen konnte man feststellen das Ispica bereits seit der Steinzeit bewohnt gewesen sein muss, doch die ersten schriftlichen Belege sind aus dem 12 Jahrhundert. Nach dem schweren Erdbeben von 1693, bei dem weite Teile der Ortschaft zerstört wurden, verlagerte man das Dorfzentrum auf das höher gelegene Kalkplateau, wo es sich bis heute befindet.

In die Schlucht kann man von dieser Seite aus hinunterfahren, was unheimlich schön ist. Ein schneller Wechsel von Kurven, begrenzt von Felsen links und rechts, die von Dutzenden von künstlichen Höhlen durchzogen werden. Diese werden augenscheinlich als Lager, Keller, ja sogar als Pferdestall genutzt - einzigartig!

Damit gelangt man in das Gebiet "Parco Archeologico Forza". Das Gebiet des Archäologischen Parks kann man ohne Eintrittsgebühr betreten, es war bereits schon in der Vorgeschichte bewohnt und beherbergte später eine Festung, die auch Namensgeber für "Forza" war: Fortilitium.

Bis zum Erdbeben war dieses Fort der Eingang zur Stadt Spaccaforno. Man soll etwa 3 Kilometer in die Schlucht hineinlaufen können - wir haben es jedoch nicht ausprobiert.

Die Sikeler, auch Sikuler oder Sikulen (griechisch Sikeloi) genannt, waren ein Volk, das in der Antike Ost- und Mittel-Sizilien bewohnte. Der Name der Insel leitet sich von diesem Volk ab. Thukydides (IV, 2) zufolge siedelten sie ursprünglich in Italien, das seinen Namen dem Sikelerfürsten Italos verdanken soll. Als die Sikeler Sizilien besiedelten verdrängten sie die ursprünglich dort lebenden Sikanen in den Westen und Süden der Insel.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurden sie durch die griechische Kolonisation ins Landesinnere verdrängt.

Die Sikeler sprachen eine indogermanische Sprache, von der nur noch einzelne Wörter bekannt sind. Man vermutet, dass es sich bei ihnen um Italiker handelte, die eine italische Sprache verwendeten.

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