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Von
Sciacca aus sehen wir in der Ferne ein pittoresk an den Felsen klebendes
Städtchen und wir fragen Doris, was das sei. Dies sei Caltabellotta
- sie empfiehlt uns, dorthin zu fahren, es wäre eine nette
Motorradtour. Ihr würde es allerdings bei dem Gekurbel in den
Kurven schlecht werden, da es auf fast 1000 Meter Höhe liegt...
Also nix wie hin!
Es wird eine wunderschöne Fahrt. Die Straße ist griffig,
wir sind ziemlich allein in den zahlreichen Kurven. Die Landschaft
ist einfach grandios! Caltabellotta ist relativ schnell erreicht.
Wir wurschteln uns durch die engen Gassen immer bergwärts.
Oben befindet sich noch eine Kirche, die aber verschlossen ist.
Wir taufen die Kirche "San Pellegrino", auch Doris bezeichnete
eine Kirche hier so. Wir können zwar keine Kirche mit diesem
Namen finden: aber der Schutzpatron von Caltabellotta heißt
San Pellegrino.
Caltabellotta hat eine bewegte Vergangenheit:
Es ist nicht sicher, aber manche Wissenschaftler nehmen an, daß
sich auf dem seit frühgeschichtlicher Zeit besiedelten Gebiet
des Städtchens Caltabellotta das antike Kamykus, das Reich
des mythischen sikanischen Herrschers Kokalos befunden haben soll.
Was
sicher ist, daß hier unter diesem Kalkfelsen die Stadt Triokala
gelegen war, die während des zweiten Sklavenaufstandes (104
bis 101 v. Chr.) die Hauptstadt der Sklaven war und Zufluchtstätte
für gegen die grausame Behandlung rebellierende Sklaven. Als
die Armee näher rückte und keine Hoffnung mehr bestand,
verübten die Überlebenden gemeinsam Selbstmord. Im Mittelalter
nannten die Araber das Städtchen qal'at-al-ballut, Eichenfelsen.
1336 wurde die Grafschaft Caltabellotta Raimondo Peralta übereignet
und hatte danach wechselnde Besitzer. Caltabellotta hat vor allem
als Schauplatz des Friedenvertrags Berühmt- und Bekanntheit
erlangt.
In diesem Städtchen wurde im im Jahre 1302 zwischen Spanien
(Friedrich II. von Aragon) und Frankreich (Karl von Valois) der
bekannte Friedensvertrag von Caltabellotta unterzeichnet, mit dem
der Sizilianischen Vesper ein Ende gesetzt wurde und Sizilien unter
die Herrschaft des Hauses Aragon fiel. Der Ausdruck Sizilianische
Vesper benennt einen Volksaufstand im Jahre 1282 gegen die Herrschaft
des Königs Karl I von Anjou, der 1266 mit päpstlicher
Unterstützung die Macht über die Insel erlangt hatte.
Der
Tag war noch jung, so fuhren wir einfach noch ein bißchen
der Nase nach. Unterhalb dieser Bergkirche verlief die Straße
auf der Rückseite des Kalkfelsens weiter. Das Verkehrsschild
mitten auf der Straße, das die Straße für den Auto-
und sonstigen Verkehr als gesperrt auswies, übersehen wir dabei
geflissentlich.
Bald sehen wir auch, warum die Straße gesperrt ist. Hier
scheinen Erdbeben, Erdrutsche und große Naturgewalten einiges
bewegt zu haben. Mal hebt sich der Asphalt halbmeterhoch in die
Höhe. An anderer Stelle klafft ein mit Regenwasser gefülltes
Loch in der Straße. Die Verwerfungen sind nicht mehr ganz
frisch, aber auch noch nicht jahrealt - vielleicht vom letzten Winter?
Das Gesperrtschild ist wohl eher so ein Vorsichtshalberschild ...
Die Touren durch's Hinterland sind zwar ganz nett, bieten aber
nicht mehr die Highlights wie z.B. Caltabellotta und seine malerische
Lage.
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