Recht und Verkehr
• Verkehrsbestimmungen
Viel Unterschied zum deutschen Verkehrsrecht besteht nicht. Im Fahrverhalten ist jedoch sehr wohl ein deutlicher Unterschied zu spüren. Fahren in und um Palermo ist ein Erlebnis !!!

Wir bogen zum Beispiel wie allen anderen in eine vierspurige Straße nach links ein, obwohl linksabbiegen verboten war und ein Verkehrspolizist auf der Kreuzung "eigentlich" was dagegen haben müßte. Wir fuhren wie allen anderen bei Rot über die nächste Kreuzung, trotz wild hupenden, aber doch etwas machtlos erscheinenden Querverkehrs. Allerdings fuhren wir nicht wie ein anderer vor dem Gegenverkehr nach ganz links rüber auf dem breiten Fußweg weiter, weil lim Gegenverkehr wegen einem Bus und auf der unserer Straßenseite wegen einem parkenden Autos kurzzeitig kein Weiterkommen war.

 
PKW / PKW m. Anhänger &
Wohnmobile / Motorräder
auf Autobahnen 130 / 80 / 100 km/h
auf Schnellstraßen 110 / 70 / 80 km/h
außerorts 90 / 70 / 80 km/h
innerorts 50 / 50 / 50 km/h

Achtung! Bei Regen besteht auf allen Autobahnen ein Tempolimit von 110 km/h, auf Schnellstraßen von 90 km/h. Auf dreispurigen Autobahnen darf gemäß Beschilderung max. 150 km/h gefahren werden.

 
 

Von deutschem Verkehrsrecht abweichende Regelungen:
Das Tragen einer fluoreszierenden Warnweste in Notfallsituationen außerhalb von geschlossenen Ortschaften ist (wie in Deutschland) für PKW-Fahrer vorgeschrieben. Aus Sicherheitsgründen und zur Vermeidung von Bußgeldern sollte sie stets griffbereit sein.

Tagsüber muss das Abblendlicht auf Autobahnen und außerhalb geschlossener Ortschaften eingeschaltet sein.
Privates Abschleppen auf der Autobahn ist verboten.

Eine durchgehende Fahrbahnrandlinie darf nur in Notfällen überquert werden (aber wie war das nochmal mit der Standstreifenfahrerei ;-). Dort besteht auch Parkverbot. Parkverbot besteht auch an schwarzgelb markierten Bordsteinen sowie an gelb gekennzeichneten - z.B. für Taxi und Busse reservierten - Parkflächen.

Wenden, Rückwärtssetzen und unerlaubter Spurwechsel im Mautstellenbereich (Achtung, nicht in der TelePass-Schlange anstellen!), auf Autobahnauf- und -abfahrten wird mit hohen Bußgeldern, oft auch mit Fahrverboten geahndet. Parkverstöße, Telefonieren mit Handy am Steuer, Fahren ohne Licht außerorts und Geschwindigkeitsüberschreitungen werden mit einer besonders hohen Geldbuße geahndet.

Motorradfahrer, die ohne genormten Schutzhelm (ohne Kennzeichnung ECE R 22) fahren, müssen mit Sicherstellung Ihres Motorrades bis zu einem Monat rechnen. Auch Beifahrer müssen einen genormten Schutzhelm tragen. Motorräder bis 149 ccm sind auf Autobahnen verboten.

Besondere Verkehrsschilder: Zona di silenzio = Hupverbot; Deviazione = Umleitung; Tenere la destra = Rechts fahren; Tutte le direzioni = alle Richtungen; Rallentare = Langsam fahren; Senso unico = Einbahnstraße; Sbarrato = Gesperrt; INIZIO Zona tutelata = Beginn der Parkverbotszone.

Maut: Die Autobahn ist in der Regel mautfrei. Einige Ausnahmen gibt es jedoch: Messina - Catania und ein Teil der A20 Palermo - Messina. Um Messina herum ist ein Teilstück mautfrei. Vorsicht!

Promillegrenze: 0,5 ‰

Verkehrskontrollen: wir haben nie welche gesehen, aber sie werden wohl vorhanden sein ...
Wir sahen den einen oder anderen Verkehrspolizisten in Palermo, aber der hatte sichtlich nur eine Statistenrolle inne.

Tanken: Diesel, Bleifrei Super (Benzina senza piombo, benzina verde) 95 Oktan, Bleifrei Super Plus (Benzina super senza piombo, benzina verde) 98 Oktan.

Auf den Autobahnen gibt es nicht viele Tankstellen, aber die wenigen haben rund um die Uhr geöffnet. Auch bei den Bergstrecken durch's Inselinnere sollte man sein Glück nicht herausfordern und den Tank bis auf's letzte Tröpfchen leerfahren.

Tankstellen sind in der Regel Mo bis Fr 7:00 - 12:30 Uhr und 15:30 - 19:30 Uhr geöffnet, Samstag haben sehr viele Tankstellen geschlossen, am Sonntagen fast alle! Es gibt mancherorts diese netten Tankautomaten "Self Service", die mit unzerknitterten Geldscheinen gefüttert werden wollen.

Fahrverhalten: Herrlich süditalienisch. Rote Ampeln werden ignoriert. Jeder tastet sich in eine Kreuzung und jeder schaut was der andere macht. Jeder orientiert sich beim Fahren nach vorn. Was hinten passiert, interessiert nicht. Dreispurige Straßen sind dazu da, sie vier- oder fünfspurig versetzt zu fahren. So ein Gänsemarsch-Fahren wie bei uns gibt es nicht. Man fährt dort, wo Platz ist - und wenn versetzt Platz ist, fährt man dort. Nur nicht zimperlich sein, mit genug Selbstbewußtsein läßt sich super mitschwimmen. Unfälle mit Personenschaden sind relativ selten, Kratzer, Dellen und Beulen haben dafür jedoch die meisten Autos.

Überholen und Fahren auf dem Standstreifen auf der Autobahn ist auch kein Fauxpas. Als sich um Palermo Stau bildete, fuhren selbst Autos auf dem Standstreifen.

Als wir in Palermo von einem Motorradpolizisten durch dicken Stau zum Hafen gelotst wurden, fuhr der auch wo Platz war: rechts oder links - egal. Wenn nötig, klappte er auch schon mal einem Auto den Spiegel ein, damit wir mit unseren dicken Koffern durchkamen ;-)

Orientierung: Ist kein Problem, die Beschilderung ist immer ausreichend. Wenn diese auch manchmal sizilianisch chaotisch aussieht.

Straßenzustand: Die Straßen sind meist in gutem Zustand. In abgelegenen Gegenden, im Inselinneren und auf Nebenstrecken sollte man jedoch jederzeit mit Schlaglöchern, Bodenwellen und anderen Beschädigungen rechnen. Bei Nässe sollte man in Küstennähe Vorsicht (vor allem bei der Schräglage) walten lassen. Salz und Wasser machen die Straßen zu einem sehr rutschigen Vergnügen, wie man es auch aus anderen europäischen Staaten wie Kroatien oder Griechenland kennt.

Bei Bahnübergänge lasse man etwas Vorsicht walten: manche haben extreme Höhenunterschiede - da tut's einen gewaltigen Schlag, falls man zu schnell daherkommt.


• Motorradklau / Kriminalität
Vor der Mafia, die natürlich nach wie vor präsent ist, braucht sich der Urlauber nicht zu fürchten. Die Mafia verdient ihr Geld mit Schutzgeldzahlungen, Drogen und anderen großen Deals. Kleinkriminalität ist nicht ihr Metier. Im Gegenteil, sie wird ein Auge darauf haben, daß es der Tourismusbranche gut geht. Panik und Mißtrauen gegen jeden sind nicht angebracht, aber einige Regeln sind einzuhalten und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Vor unserer Tour habe wir eine Palermo-Website besucht, dort konnte man zwei treffende Sätze lesen: Palermo ist sicher. Man muß nur zwei Regeln beachten: Man darf keine Handtasche oder Rucksack bei sich tragen und man darf sich nachts nicht allein durch Palermo bewegen. Na super! Wenn das Sicherheit ist....

Aus diesem Grund haben wir uns auch Catania nicht angeschaut. Wir verbrachten 3-4 Stunden Wartezeit im Hafen. Mit voll gepacktem Motorrad nach Catania hinein fahren - das sollte man lieber sein lassen. Wir lernten einen jungen Berliner kennen, dem baumelte nach einem Marktbesuch in Catania die Uhr nur noch an einem seidenen Faden - unbemerkt aufgeschnitten.

Autos, auch Kleinwagen, sollten möglichst auf bewachten Parkplätzen abgestellt werden. Weniger der Autodiebstahl ist das Problem, sondern das eingeschlagene Fenster und die fehlende Handtasche oder Videokamera. Auch der schnelle Griff in das offene Beifahrerfenster an der Ampel soll ganz beliebt sein. Geparkte Autos immer offensichtlich leer lassen: Handschuhfach offen! Geld und Papiere am Körper tragen, Handtasche/Rucksack zur Hauswand zu tragen - um den Raub vom Roller aus zu vereiteln. Abgelegene Stadtteile in Großstädten in der Siestazeit zwischen 13 und 17 Uhr meiden.

Das A und O bei unserer Zimmersuche war eine abschließbare Unterkunft für die "Turtle". Ansonsten hatten wir bei kurzzeitigem Parken bei Tage und in ländlichen Gebieten weniger Bedenken. Auch mitten im Olivenhain in Sciacca, vor unserer Unterkunft, hatten wir keine Bedenken.

Ein Artikel der "Zeit" über Leoluca Orlando, der als Bürgermeister von Palermo 1985 - 2000 die Mafia verhement bekämpfte und auf dessen Todesliste stand: Leoluca Orlando


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