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Nabel Europas

Der Mittelpunkt Europas soll so weit im Nordosten, fast an der russischen Grenze liegen? Ja!
Nur wir und eine mächtige, dicke Granitsäule mit güldener Sternenkrone.

Als nächstes stehen wir ganz allein am Mittelpunkt Europas. Nur wir und eine mächtige, dicke Granitsäule mit güldener Sternenkrone. Nee oder? Der Mittelpunkt Europas soll so weit im Nordosten, fast an der russischen Grenze liegen? Ja! Wenn man den aktuellen Berechnungen französischer Geografen glauben darf, befindet sich nördlich von Vilnius die Mitte des europäischen Kontinents, nicht zu verwechseln mit der Mitte der Europäischen Gemeinschaft, die ja mit jedem neuen Mitgliedstaat ins Verrutschen gerät.

Ob diese Koordinate wirklich die endgültige ist? Kein Mensch weiß es. Nachdem in den letzten Jahrhunderten von den Geografen, vielleicht auch von politisch aktiven Geografen, ständig „neue Mitten” gefunden wurden, ist auch diese geografische Wanderung sicher noch nicht an Ihrem Schlusspunkt angelangt.

Vor knapp 250 Jahren fing der Reigen an: 1775 wurde der geografische Mittelpunkt Europas von einem polnischen Kartografen zum ersten Mal errechnet.

Vor knapp 250 Jahren fing der Reigen an: 1775 wurde der geografische Mittelpunkt Europas von einem polnischen Kartografen zum ersten Mal errechnet. Dieser verortete ihn in das polnische Städtchen Suchowola.

Als nächstes kürten österreichische Geografen 1887 während der K.u.K.-Monarchie einen Berg bei Cheb (Eger) in böhmischem Gebiet zum Mittelpunkt. Aber auch in der Ukraine, in der Slowakei und an einem weiteren Ort in Tschechien gibt es Stelen, gravierte Platten und Denkmäler, die auf einen – touristisch wertvollen – Mittelpunkt Europas hinweisen. Keines dieser Denkmäler hat jedoch die Dimen sion der litauischen Mitte. Es gibt sogar ein Informationszentrum, jedoch hat dieses nur in den Sommerwochen von 15. Juni bis 31. August geöffnet. Dann kann man sich ein Zertifikatüber den „zentrierten” Besuch ausstellen lassen.

Singletracks auf litauisch
Singletracks auf litauisch

Weiter geht's. Einige der Straßen machen richtig Spaß! Am Anfang vermuten wir noch, dass die Straßen nur improvisiert, irgendwie unfertig sind. Mittig wurde ein Streifen asphaltiert, genau passend für eine Fahrzeugbreite, aber rechts und links ist jeweils ein anderthalber Meter geschottert. Der Streifen in der Mitte reicht also als Singletrack für eine Spurbreite.

Sobald Gegenverkehr herrscht, weichen beide Verkehrsteilnehmer mit der jeweils rechten Reifenspur auf den Schotter aus und ziehen eine mordsmäßige Staubfahne hinter sich her. Für die Einheimischen ist diese Straßenbeschaffenheit kein Grund, die Geschwindigkeit zu drosseln. Anfangs grummeln wir noch: welche Rüpel! Mit 90 km/h ... bisschen langsamer könnte man aber schon ...! Dann testen wir es selber: Geht! Und ist überhaupt kein Grund, sich als Verkehrsrowdy zu fühlen. Es staubt wie bei allen anderen auch und überzieht die Bäume am Straßenrand mit einer hellgelben Glasur. Wenn sie husten könnten, täten sie es. Es macht saumäßig Spaß, mit einem Vauweh ein bißchen offroad zu fahren.

Bisher hatten wir das Gefühl, die Litauer hätten einen gemäßigten Fahrstil. Aber an diesem Tag kommen uns immer wieder Fahrzeuge mit einem Affenzahn halb auf unserer Spur entgegen. Sie driften um die Kurven, als wäre der Teufel hinter ihnen her. Man merkt, sie kennen die Strecke. Und wir hoffen jedes Mal, dass sie auch das Fahrverhalten Ihres Wagens zur Genüge kennen. Im Nachhinein betrachtet war das wohl eher Zufall, denn während unserer restlichen Reise konnten wir keine auffällige Raserei mehr feststellen.

Achterbahnstraßen und Singletracks auf litauisch
Die Straße schwingt sich wie eine Achterbahn gen Himmel! GI–GAN–TISCH! Kilometerlang.

Molėtai ist ein kleiner Ort, eigentlich nicht erwähnenswert. Doch man sollte sich den Namen merken, um den Beginn einer witzigen Landschaft in der Straßenkarte zu markieren.

Grün, aber so was von grün muss die Markierung sein! Die Straße schwingt sich wie eine Achterbahn gen Himmel! GI–GAN–TISCH! Kilometerlang. Allerdings sind die Kurven anders als bei uns. Nicht schlenkernd von links nach rechts, sondern strikt geradeaus, von unten nach oben. Und ganz viele hintereinander. Ein Bandwurm, der sich über die Hügel legt.

Es macht Spaß, den Fahrzeugen mit den Blicken zu folgen. Wie sie in den Senken verschwinden, unsichtbar werden, um dann nach endlos sich dehnenden Sekunden wieder oben auf der Hügelkuppe aufzutauchen. Und das Spiel beginnt von vorn. Eine halbes Dutzend Mal kann man die Autos bis zum letzten Hügel beobachten. Bis vor Panevėžys geht das so. Über die Kuppen hebelt es uns manchmal fast aus. Huiii, geil, das macht Spaß!

In Panevėžys biegen wir auf die A9 ein, eine gut ausgebaute, aber auch dicht befahrene Straße (A heißt in Litauen nicht Autobahn). Bei der nächsten Möglichkeit verlassen wir sie wieder zugunsten einer Straße kleinerer Ordnung. Das ist dann doch nichts, diese drängelnden LKW-und PKW-Horden auf breiter, kerzengerader Straße!

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Berg der Kreuze

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