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Tourziel: Gorges de Galamus (französische Pyrenäen)

Gorges de Galamus

„Tschüss Pyrenäen“. Und „Tschüss Spanien“. Ab sofort sind wir vier Tage lang auf Heimfahrt. Vier Tage deswegen, weil sich uns noch einige Regionen in den Weg werfen: die Haute Alpes und die Dromé in Frankreich, in Italien das Piemont und schließlich locken in der Schweiz noch einige sehenswerte Kantone, vor allem aber der alte, teilweise gepflasterte Gotthardpass und die Göschenenschlucht.

Auf der C38 fahren wir jetzt nach Ripoll und direkt auf die französische Staatsgrenze zu.
Die Berge sind dicht bewaldet, die Straße ist kurvig, aber von etwas zweifelhaftem, weil leicht rollsplittlastigen Belag, der uns einen Gang zurückschalten lässt.

Die abwechslungsreiche Fahrt auf einem Teilstück der „Route de Cols“ ist ein Genuß. Das ist eine 952 Kilometer lange Route mit 34 Pyrenäenpässen, für die ursprünglich der Kaiser Napoleon den Anstoß gab. Vermutlich hielt er sich gern in Thermalbädern auf - denn solche Thermalkurorte verband die touristische Straße in erster Linie.

Panorama auf dem 1513 m hohen Coll d'Ares
Panorama auf dem 1513 m hohen Coll d'Ares

Auf der französischen Seite wird die C38 zur D115 und auf dem 1513 Meter hohen Coll d'Ares erwartet uns ein Panorama, dass den kilometerweiten Blick über die Pyrenäen zuläßt. Es ist leicht diesig und das Foto mit dem Schild der nahen Stadt Prats de Mollo wirkt wie eine Fotomontage. Aber das ist echt! Das schummrige Gegenlicht brennt jeden Kontrast weg.

Vom Pass aus führt ein schattiger Pfad hinunter und wieder einmal wünsche ich mir, die Wanderschuhe schnüren zu können. Oh Gott, ich habe Entzug. Tippen meine Finger das echt ständig?

Eine dunkle, relativ neue, aber wellige Straße durch dichte Eichenwälder versetzt unser Fahrwerk auf der weiteren Fahrt in eine ständige Habachtstellung. Hier sind die Verkehrsschilder zweisprachig. Wir befinden uns im Département Pyrénées-Orientales, das im Groben dem ehemaligen Nordkatalanien entspricht; zwar ist die Amtssprache Französisch, aber über 40% der Bevölkerung sprechen oder verstehen auch Katalanisch.

Boule d'Amount (Bula d' Amunt)
Wachschaf

Wir wenden uns nordwärts und durchqueren auf der D618 winzige Dörfer und Häuseransammlungen. Nix los hier, kein Gegenverkehr und da wir Siestazeit haben, sind auch keine Menschen zu sehen. Meist tuckern wir auf winzigen Micky-Maus-Sträßlein durch schattige, undurchdringliche Wälder, aber zwischendurch erreichen wir Erhebungen, die einen Blick auf weite Berglandschaften freigeben.

Im Dorf Boule d'Amount (Bula d' Amunt) vertilgen wir einen mitgebrachten Snack. Am Flüsschen Le Boulés befindet sich unter schattigen Bäumen ein gerade unbevölkerter, öffentlicher Grillplatz. Ob die 57 Einwohner des Dorfes hier ab und zu picknicken?

Auf winzigen Teerbändern geht es weiter. Herrlich. Angenommen, das Spritfaß wäre leer, dann hätten wir auf dieser Route ein Problem. Wir umfahren große Städte weiträumig. Tankstellen sind auf diesen kleinen Straßen nicht zu sehen. Ein einsames Haus steht am Waldrand. Der Besitzer muss ein Mensch mit Humor sein. Statt eines Hundes wacht Shaun das Schaf ...

Gorges de Galamus
Gorges de Galamus

Nach 75 Kilometern ist die Gorge de Galamus erreicht. Der Fluss Agly hat sich einen tiefen, schmalen Graben durch das Kalk- und Dolomitgestein gegraben. Eine enge, einspurige Straße mit rundlichen Begrenzungsmäuerchen schmiegt sich an den Fels.

Die Enge der Schlucht und die Enge der Straße kann Probleme mit sich bringen, vor allem für vierspurige Fahrzeuge, die nur mit viel Glück eine Stelle zum Anhalten finden.

Ob auch Fahrer mit Wohnmobil auf die Idee kommen, hier durch fahren zu wollen? Vermutlich nur ein solcher, der die Fotos nicht kennt... Bei den Felsüberhängen von maximal 2,70 Metern Höhe stünden dem Wohnmobilisten vermutlich zahlreiche Schweißperlen auf der Stirn. Für ein Motorrad findet sich aber immer eine Anhaltemöglichkeit.

Es ist Donnerstag, nachmittags um 14:00 Uhr und es herrscht reger Verkehr in der Schlucht. Manchmal muss die Hölle los sein, wenn Autofahrer unbedarft in die Schlucht einfahren und dann bei Gegenverkehr nicht mehr vor und zurück können. Im Hochsommer regelt eine Ampelschaltung die Einfahrt, damit die Flachlandtiroler einbahnig und ohne Gegenverkehr die engen Passagen durchqueren können. Aber viele Besucher machen es genau richtig: sie erwandern die zwei Kilometer lange Schlucht.

Im Folgenden machen wir dann noch ein bisschen Strecke, denn bis zum Nachmittag ließen wir uns ganz gemütlich treiben und nun wollten wir noch ein bisschen vorwärtskommen.

Die Franzosen wollen uns nicht!
Dreistündiger Rekord-Hotelmarathon

Wir erreichen am Abend nach 18:00 Uhr die Randgebiete Montpelliers und lassen uns einfach von unserer „Steffi“ zu einem Hotel Ibis navigieren, um dort für eine Nacht ein Zimmer zu nehmen. Einfach zum Hotel. So einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten, ist es nicht. Bei weitem nicht...

Beim ersten Versuch, in einem Ibis direkt an der Autobahn unterzukommen, glauben wir uns beim Preis des Zimmers verhört zu haben: 91 Euro und das Frühstück natürlich extra. Die spinnen doch, die Römer, ähh Franzosen! Das ist uns für das Gebotene zu teuer und wir ziehen zum nächsten Ibis.

Blick in die französischen Pyrenäen

Ibis-Hotels sind alle irgendwie ähnlich, da weiß man ungefähr, was man kriegt: ein einigermaßen standardisiertes Zimmer mit Bad und ein meist miserables Frühstück. Ein freies Zimmer hat die Ibis-Kette immer. Immer? Nicht in Montpellier! Der nette Herr an der Rezeption hat eine schlechte Nachricht parat: das Hotel ist ausgebucht und er macht auch für die anderen Hotels der Nachbarschaft nicht viel Hoffnung, da in der Stadt ein Konzert von Björk stattfände und deshalb alle Hotels voll seien. Zweiter Versuch gescheitert.

Aller guten Dinge sind drei - dritter Versuch! Kein Problem, dann lassen wir uns von „Steffi“ zu einer anderen Unterkunft in der ländlichen Umgegend führen. Aber verflixt und zugenäht, auch mit einigen U-Turns in einem kleinen Ort finden wir das im Navi ausgewählte Haus nicht einmal. Dritter Versuch gescheitert.

Vierter Versuch: eine Unterkunft namens Villa Viche. Klingt schon mal vom Namen her teuer. Wir finden es, mitten in der Pampa. Es stellt sich als eine gehobene Pferderanch heraus, in der man Reiturlaub macht. Reiturlaub? Wir? Es gibt einen Kasten mit einer Preisliste am Tor. Das war's dann. Der Zimmerpreis von 150 Euro pro Nacht lässt uns auf den Hacken umdrehen. Also wieder retour. Fast wären wir dann noch einem Hinweisschild zu einem „Hotel pour chats“ gefolgt. Aber glücklicherweise nur fast. Die Blamage! Wenn wir zwei im "Hotel pour chats" nach einem Doppelzimmer gefragt hätten! Die Betten wären sicher zu klein gewesen.

Montpellier will uns nicht, also weiter nach Nimes. Aber auch in Nimes hat Björk zugeschlagen. Man empfiehlt uns, mindestens noch bis Orange weiterzufahren, um deutlich bessere Chancen zu haben. Also pflanzen wir uns auf die Autobahn und spulen die sechzig Kilometer runter. So langsam verlangen unsere Mägen nach fester Nahrung, denn die Hotelodyssee dauert nun schon drei Stunden! Es ist ein warmer Abend und so langsam befasse ich mich mit dem Gedanken, irgendwo unter einem Baum im Freien zu schlafen. Ob das hier noch etwas wird?

In der Peripherie von Orange haben sich mehrere Hotels angesiedelt. Dort angelangt, biegt gerade ein Schweizer Auto von einem Hotelparkplatz einer anderen Kette auf die Straße ein und steuert den Parkplatz des B&B-Hotels an. Wir biegen in denselben Parkplatz. Ich eile im Stechschritt an die Rezeption, erhalte nach Aussage der netten Dame das letzte Zimmer und fühle mich als hätte ich gerade im Lotto gewonnen. Wir haben ein Bett, eine Dusche und ein Abendessen gibt es auch, wobei wir keine kulinarischen Hochgenüsse erwarten. Irre ich mich oder diskutiert anschließend ein Gast äußerst missmutig mit einer Hotelangestellten?

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit den Frankreich: Drôme und Hautes-Alpes

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